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Uwe Döring : Der Mann, der aus der Kälte kommt

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Uwe Döring hat sich vor Jahren mit dem "Polar-Virus" angesteckt. Er sieht Parallelen zwischen der Klimaforschung und der Kommunalpolitik.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2013 | 07:47 Uhr

Neumünster | Ein Stückchen eines Walbartes mit den typischen langen Haaren hat er zum Courier-Gespräch mitgebracht. Und auch ein kleines unscheinbares Döschen mit einem Inhalt, der entfernt an einen alten Korken erinnert, zeigt er stolz. Die Aufschrift verrät, dass die Probe aus dem Meeresgrund in 4300 Meter Tiefe stammt - entnommen einer Kernbohrung direkt unter dem Nordpol. Uwe Döring hat sich vor Jahren mit dem "Polar-Virus" angesteckt.

2009 hatte er sich noch als Minister an einer internationalen Geomar-Expedition nach Nordost-Sibirien beteiligt. Deutsche und russische Wissenschaftler betreuten die Forschungsstation Tiksi 300 Kilometer vor der Küste in der Laptev-See. Auf dem meterdicken Eis herrschten Temperaturen von 30 Grad minus. "Das ist einmalig", schwärmt Döring. "Es ist eine absolute Stille, keine einziges Geräusch, eine völlig klare, reine Luft und 24 Stunden lang Sonne."

Seit diesem Schlüsselerlebnis kommt Uwe Döring vom hohen Norden nicht mehr los. Er gehört der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung an, hat sich auf eigene Faust auf einem Eisbrecher bei seiner Tour rund um Spitzbergen eingeschifft und gemeinsam mit einem Freund vor zwei Jahren Grönland erkundet. Außerdem ist er Mitglied im Kuratorium bei Geomar.

"Es ist ebenso spannend wie dramatisch, die Veränderungen des Klimawandels zu erleben", erklärt Döring. Seine Zweifel wachsen, ob die vom Menschen in Gang gesetzten Prozesse überhaupt noch umkehrbar sind. "Was machen wir eigentlich?", müsse man sich fragen, "ist es richtig, wenn wir auf Wachstum setzen?"

Die Erkenntnis, dass die alten vertrauten Rezepte versagen, dass man neue Pfade suchen muss - das gilt nicht nur in der Polarforschung, das gilt auch für Kommunalpolitik. Uwe Döring mag sich nicht damit abfinden, dass sich die Menschen mit Grausen von der Politik abwenden, dass die Beteiligung von Wahl zu Wahl niedriger ausfällt. Die allgemeine Politikverdrossenheit zu bekämpfen, das hat er zu seinem Herzensanliegen gemacht. Denn eigentlich, davon ist der Ex-Minister felsenfest überzeugt, ist die Kommunalpolitik "ganz eng am Menschen dran. Und doch hat der Bürger das Gefühl, dass er nicht mehr einbezogen ist."

"Die Rückkehr in die aktuelle Kommunalpolitik gehörte nicht zu meiner Lebensplanung", gesteht der SPD-Spitzenkandidat ein. Doch er hat sich vorgenommen, die Strukturen der Politik grundlegend zu verändern. Er will den Dialog mit den Menschen verstärken, bei Bauprojekten ebenso wie bei Erschließungsfragen.

Döring verlangt mehr Bürgerversammlungen, auch in den Stadtteilen. Dabei müssten sich die Entscheidungsträger vor Ort zeigen und nicht nur die Referenten, die den Planungsstand wiedergeben. "Das ist kein eingeübtes Verfahren", erklärt Döring, "auch für die SPD nicht. Es ist ein mühseliger Prozess." Doch eine Alternative gibt es für Uwe Döring nicht.

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