Rickling : „Der Lkw ist unser Wohnzimmer“

Sie haben einen rollenden Arbeitsplatz: Michael Matten (links) und Maik Maschke lehnen am 40-Tonner.
1 von 2
Sie haben einen rollenden Arbeitsplatz: Michael Matten (links) und Maik Maschke lehnen am 40-Tonner.

160 Trucker aus ganz Deutschland trafen sich auf dem Platz am Schwimmbad.

shz.de von
12. Juni 2018, 14:00 Uhr

Rickling | Es ist eine eigene Welt, in die man bei den zweiten „Ricklinger Truck Days“ reinschnuppern konnte. Bullige Lastwagen, soweit das Auge blickte, reihten sich auf der Wiese hinter dem Schwimmbad wie Perlen aneinander auf. 160 Trucker aus ganz Deutschland kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, zu feiern und sich besser kennen zu lernen.

Auch einige Familien waren nach Rickling gereist, um den Ehemann und Papa wieder zu sehen. „Teilweise sieht man die anderen Trucker öfter als seine eigene Familie“, meinte Maik Maschke. Der Ricklinger hat das Treffen organisiert und weiß, wovon er spricht, denn er ist gelernter Berufskraftfahrer und sitzt gerne hinter dem großen Lenkrad seines Lastwagens. „Wenn du Pech hast, bist du als Fernfahrer zwei oder drei Wochen nicht zu Hause. Man muss schon zu der Materie stehen und den Job lieben, sonst ist das nichts“, weiß der 29-Jährige. Er liebt seinen Job, besonders die Abwechslung: „Du siehst jeden Tag etwas Neues.“ Was nervt, ist die Unsicherheit bei der Zeitplanung: „Wenn der Verkehr nicht mitspielt oder man drei oder vier Stunden an der Laderampe steht, bist du vielleicht erst Sonnabend statt Freitagabend zu Hause.“ Maik Maschke kann mittlerweile jeden Abend den Autositz gegen den Sofasessel tauschen: „Ich fahre nicht mehr international und schlafe auch nicht mehr im Wagen.“ So hat er auch mehr Zeit für seine Lebensgefährtin, die er im Job kennengelernt hat.

Mit Fernfahrer-Romantik wie in der Fernsehserie „Auf Achse“ mit Manfred Krug habe der Job wenig zu tun, erklärte Maik Maschke: „Jede Tour ist haargenau geplant, das GPS hält permanent fest, wo man sich aufhält, und der digitale Tachograf überwacht die Geschwindigkeit. Bei Polizeikontrollen kann das alles ausgelesen werden.“ Viereinhalb Stunden dürfen die Brummifahrer ihre rollenden Arbeitsplätze bedienen, dann gibt es eine Pflichtpause von einer Dreiviertelstunde. Danach geht es wieder für viereinhalb Stunden auf die Bahn. „Probleme machen Stau, Baustellen und das Unverständnis von Pkw-Fahrern. Manche nehmen riskante Überholmanöver an engen Straßen in Kauf. Der Platz ist teilweise so eng, dass die sich dabei die Spiegel abfahren, das kommt oft vor“, schilderte Maik Maschke.

Die Fahrerkabinen ihrer 40-Tonner schmücken die Trucker gerne aus, Teddys sitzen in den Ecken, rund um die Windschutzscheibe blinken bunte Lichter, der Kaffeebecher steht griffbereit auf einem Klapptischchen. „Man will sich zu Hause fühlen“, erzählte Michael Matten (47), Berufskraftfahrer seit 23 Jahren. Dem Wittenborner macht sein Beruf Spaß und in „seinem“ Truck legt er Wert auf Ordnung und Sauberkeit. Neben den Fußpedalen stehen Pantoffeln, in die er zum Fahren schlüpft, mit Straßenschuhen kommt ihm keiner in die Kabine. „Der Lkw ist unser Wohnzimmer“, meinte er.

Die „Ricklinger Truck Days“ waren offen für
Besucher und liefen unter dem Motto „Fahrer helfen Helfen“ zugunsten der Deutschen Krebshilfe und der Waldkita-Gruppe Rabatzenhof in Rickling.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen