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Irrtum in der Legienstraße : Der Kreisverkehr, der keiner ist

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Was kaum jemand weiß: Trotz des Kreisels in der Böcklersiedlung gilt hier rechts vor links. Die Stadt sieht derzeit keinen Handlungsbedarf.

Neumünster | Jeden Morgen das gleiche Bild: Reifenquietschen, entnervtes Gehupe, gestikulierende Autofahrer, die sich gegenseitig für schuldig erklären. Besonders jetzt, wo die Umleitung für den gesperrten Hansaring durch die Böcklersiedlung läuft, „hat das wieder zugenommen“, sagt Anliegerin Margit Miersch (83) und zeigt auf den Verkehrskreisel Legienstraße / Pastor-Rösner-Straße vor ihrer Haustür. Dass es noch nicht gekracht hat, wundert die Rentnerin. „Die meisten Autofahrer haben schlicht keine Ahnung: Da gilt rechts vor links.“

Rechts vor links im Kreisverkehr? Jeder Fahranfänger lernt doch in der Fahrschule, dass Autofahrer im Kreisel Vorfahrt haben. Aber Margit Miersch hat recht: Weil an dem Kreisel keine vorfahrtsregelnden Schilder wie „Vorfahrt gewähren“ und das Schild Kreisverkehr (blaues Schild mit sich verfolgenden Pfeilen) steht, ist der Kreisverkehr auch kein Kreisverkehr – jedenfalls nicht im Sinne der Straßenverkehrsordnung.

Das bestätigte gestern auch die Verkehrsbehörde im Rathaus. Da die Schilder fehlen, handelt es sich trotz vorgeschriebener Fahrtrichtung um die mittig platzierte Bauminsel um eine ganz normale, unbeschilderte Kreuzung, und an der gilt rechts vor links.

Können die Autofahrer das noch nachvollziehen? Zwar ist die Kreuzung aus Sicht der Polizei kein Unfallschwerpunkt, aber die Beobachtungen von Anliegerin Margit Miersch sprechen dafür, dass vielen Autofahrern die Rechtslage nicht klar ist: „Nur die Busfahrer verhalten sich meistens richtig“, hat die Rentnerin beobachtet.

Tatsächlich ist man auch bei der Stadt nicht glücklich über die einst von Anliegern durchgesetzte Kreisellösung. Verkehrsplaner Michael Köwer sieht sich allerdings in einem Dilemma: Erst vor einem Jahr waren die Markierungen des Kreisels mit Fahrradstreifen und schraffierten Flächen nachgezogen worden. Die aber vertragen sich nicht mit der Umwidmung zu einem Kreisverkehr, erklärt der Verkehrsexperte. Erst wenn die Markierungen verblichen sind, will die Stadt nachbessern und die Kreuzung als „echten“ Kreisverkehr ausschildern. Wann es soweit ist, konnte bei der Stadt gestern niemand beantworten.

Kommentar

Böse Falle  für Autofahrer

 Gefahr erkannt – Gefahr gebannt! Das ist eine Formel, die der Steuerzahler  gerade auch von einer bürgerfreundlichen Verwaltung erwarten können sollte. Im Falle des Kreisverkehrs in der Böcklersiedlung, der kein Kreisverkehr ist, verfährt die Stadt allerdings offenbar eher  nach  dem Grundsatz „Gefahr erkannt, warten wir mal ab!“  Nichts dagegen, dass die Stadt  bei der Beseitigung von  Gefahrenstellen – natürlich – auch auf die Kosten achtet.  Und natürlich darf sie auch darauf vertrauen, dass Autofahrer sich mit den Regeln des Straßenverkehrs vertraut machen.  Der Kreisel an der Legienstraße verführt aber ganz offensichtlich viele Autofahrer zu einem gefährlichen Trugschluss.  Zumindest ein  Warnschild für die Übergangszeit bis zu einer eindeutigen Regelung wäre angebracht. Wohl auch,  um möglichen Klagen aus dem Weg zu gehen.

 

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erstellt am 20.Nov.2014 | 17:00 Uhr

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