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Keine Rückkehr nach Neumünster : Der kleine Rayan sitzt weiterhin in Dubai fest

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Vater lässt das Kind nicht ausreisen. Das Gericht vor Ort, das Ende vergangener Woche erneut tagte, hat noch keine Entscheidung gefällt.

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erstellt am 06.Okt.2015 | 15:00 Uhr

Neumünster | Die Hoffnungen haben sich noch nicht erfüllt. Der kleine Neumünsteraner Rayan (1) und seine Mutter Katharina D. (27) müssen weiter in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) ausharren. Das Gericht vor Ort, das Ende vergangener Woche erneut tagte, hat noch keine Entscheidung gefällt. Von den Juristen hängt ab, ob und wann die junge Mutter mit ihrem kleinen Sohn das Land verlassen und nach Norddeutschland zurückkehren darf.

Zurzeit will Rayans Vater, ein ägyptischer Anwalt (31), den kleinen Jungen nicht ausreisen lassen, und er hat das Gesetz der Vereinigten Arabischen Emirate auf seiner Seite. Nach wiederholten Gewaltexzessen des Mannes hatte die deutsche Hotelfachfrau vor gut vier Monaten mit dem gemeinsamen Kind die eheliche Wohnung in Dubai fluchtartig verlassen – ohne Geld und ohne Einkommen (der Courier berichtete). Obwohl sich die junge Mutter immer wieder an geheimen Orten bei Helfern und Freunden versteckt hielt, gelang es dem Ägypter bei einem von der Botschaft empfohlenen Treffen dennoch, Rayan zu entführen. Fünf Wochen lang blieb der Junge verschwunden, bevor er nach anwaltlichen Verhandlungen wieder zur Mutter zurückgebracht wurde. Der Mann selbst ist seit der Entführung untergetaucht und verhandelt ausschließlich über seine Anwälte.

Katharina D. möchte mit ihrem Kind nur noch nach Hause. Schon zur Geburt des Sohnes zog es sie kurzfristig wieder heim zur Familie. Rayan kam deshalb im April 2014 im Friedrich-Ebert-Krankenhaus zur Welt. Katharinas Mutter Elena D. (58) und deren Lebensgefährte Hans-Jürgen Scheel (62) lebten damals in Ruthenberg. Mittlerweile sind sie nach Bad Bevensen (Niedersachsen) gezogen. Von dort aus versuchen sie, Katharina und ihr Kind mit allen Mittel zu unterstützen.

„Der nächste Prozesstag ist erst in 14 Tagen“, erklärt Hans-Jürgen Scheel. Grund für den erneuten Aufschub: In der Zwischenzeit sollen die finanziellen Verhältnisse von Rayans Vater geklärt werden. Es geht in dem Verfahren nämlich auch um den Unterhalt für den Jungen. Zurzeit werden Katharina und Rayan ausschließlich von der Familie und Freunden unterstützt. An eine geregelte Arbeit in Dubai ist für Katharina, die einst als erfolgreiche Bar-Managerin in einem renommierten Hotel in der Millionenstadt tätig war, momentan nicht zu denken. Immer noch muss sie extrem vorsichtig sein. „Die Gefahr, dass der Vater den Sohn für sich haben will, besteht nach wie vor“, erklären die besorgten Großeltern. Sie koordinieren von Deutschland aus über die Facebookseite „Hilfe für Katharina“ weitere Unterstützung. Denn das Gerichtsverfahren zur Befreiung des kleinen Neumünstraners verschlingt die Ersparnisse der Familie – und könnte noch viel teurer werden. „Wir haben das Gefühl, dass ihr da noch viele Steine in den Weg gelegt werden. Das Ganze kann bis zu fünf Jahre dauern“, sagen Rayans Großeltern resigniert. „Die Anwälte sind teuer – und sie arbeiten meist nur mit Vorkasse. Das ist halt ein anderes System dort“, so Hans-Jürgen Scheel.

Bei aller Sorge mach der kleine Lockenkopf in Dubai der Familie im fernen Deutschland bereits viel Freude. Nach der langen Trennung von seiner Mutter durch die Entführung hat sich das Kind wieder einigermaßen beruhigt. „Der Kleine ist meist gut drauf“, sagt der Großvater.

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