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NBN-Premiere „De Nervbüdel“ : Der Killer trifft auf den Selbstmörder

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Für die Premiere der neuen NBN-Komödie „De Nervbüdel“ gab es großen Applaus.

Neumünster | Neuer Volltreffer der Niederdeutschen Bühne Neumünster (NBN): Viel Gelächter und tosenden Applaus gab es am Freitagabend zur Premiere von „De Nervbüdel“ in der Studio-Bühne an der Klosterstraße. Vor vollem Haus präsentierten die glänzend agierenden Amateurschauspieler die Komödie von Francis Veber, die bereits in den 70er-Jahren als „Die Filzlaus“ mit Jacques Brel und Lino Ventura die Zuschauer vor der Leinwand begeisterte.

In der plattdeutschen Version sind es der Auftragskiller Ralf (Heiner Lenz) und der suizidgefährdete Hans-Dieter Spitzeck (Dieter Milkereit), die im Hotel Justitia Zimmer an Zimmer wohnen. An dieser Stelle muss bereits das Bühnenbild gelobt werden, das Manfred Kaack in genau richtig dosierter Menge an Ausstattung ansprechend gestaltet hat. Beide Hotelgäste verfolgen unlautere Ziele, der Profikiller will jemanden durch das Fenster erschießen, der verlassene Ehemann Spitzek sich das Leben nehmen. Herrlich grotesk sind die parallelen Handlungsabläufe in den nahezu identischen Hotelzimmern anzusehen: Links rüstet der eine ein riesiges Gewehr, rechts bereitet der andere aus einer Gardinenkordel einen Strick. Aber beide Täter kommen nicht dazu, ihr Werk zu vollenden. Stattdessen wird der Scharfschütze, der keine Polizei im Hause brauchen kann, zum Lebensretter, und der Gerettete rückt ihm aus Dankbarkeit empfindlich auf den Pelz: „Se sünd förwiss en netter Keerl.“ Dabei entpuppt Spitzek sich als wahrer „Nervbüdel“: Er lamentiert, plappert und bedrängt seine Umwelt unentwegt, so dass der Killer mehr und mehr zum Nervenbündel wird. Spitzek hingegen blüht auf. Als dann noch Spitzeks Frau Lisa (Simone Schwarzenberger) und ihr neuer Partner Dr. Wolf (schön bärbeißig Werner Münz) auftauchen, nimmt das Chaos seinen unterhaltsamen Lauf.

Regisseur Manfred Kaack und die sieben Schauspieler haben allesamt zu einem vergnüglichen, mit lustigen Einfällen versehenen Theaterabend beigetragen. Philipp Willers, der den Polizist gegeben hat und Katharina Kim Boll als Dienstmädchen hatten sogar ihre Bühnenpremiere an der NBN. Dennoch, die Leistung der beiden Hauptakteure nicht hervorzuheben, wäre ungerecht: Heiner Lenz ist es vor allem über seine Gestik und den stimmlichen Ausdruck gelungen, seinen wortkargen Killer überzeugend an die nervliche Zerrüttung zu führen. Und Dieter Milkereit spielte herrlich fahrig, mit kleinschrittigem Gang den kleinkrämerischen Langweiler Spitzek. „Wir sehen einen ganz tollen Dieter Milkereit, der lebt seine Rolle“, meinte Stammbesucher Heinz-Jürgen Friedrichsen.

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