zur Navigation springen

Umweltschutz : Der Kampf gegen die Plastiktüte

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Jan Meifert, Inhaber von Meyers Lebensmittel, schaffte im Februar die Plastiktüte ab / Nicht alle Händler befürworten die Zwangsgebühr

Neumünster | Handel und Gesetzgeber wollen ernst machen. Um den Plastikverbrauch der Bürger zu drosseln, soll es ab April 2016 bundesweit an den Ladentheken keine kostenlosen Plastiktüten mehr geben. Um die Ausgabe zu drosseln, sollen die Geschäfte dann zwangsweise eine „Gebühr“ von mindestens 20 Cent erheben. Auch in Neumünsters Einzelhandel, der auf freiwilliger Basis längst Alternativen anbietet, wird der Vorstoß kritisch diskutiert.

Keine Probleme mit dem neuen Zwangspfand hat Jan Meifert, Chef der Meyers Edeka-Märkte. Er kenne die Regelung noch nicht en detail, sagt der Geschäftsmann: „Aber wenn sie clever gemacht ist, kann sie ein wichtiger Schritt zur Müllvermeidung werden.“

Meifert selbst (und seine Kunden) wird das Zwangsgeld kaum treffen: Er hat die Plastiktüten bereits im Februar endgültig aus seinen Läden verbannt und gilt seither in Norddeutschland als Vorreiter eines ökologisch „sauberen“ Supermarkts. Inzwischen haben mindestens fünf Supermärkte das Konzept des jungen Neumünsteraners übernommen; mehrfach wurde Meifert zu Vorträgen eingeladen, um über seine Erfahrungen mit dem Tüten-Aus und die Reaktion seiner Kunden zu berichten.

Die ist, wie Meifert versichert, durchweg positiv: Nur ganz am Anfang habe er leichtes Bauchgrimmen gehabt, wie viele Diskussionen er wohl führen müsse. „Aber im Grunde war ich mir sicher, dass die Bereitschaft zur Umstellung da ist und der Kunde mitzieht“, sagt Meifert. Tatsächlich blieben die großen Diskussionen aus; die meisten Kunden hätten positiv reagiert. Inzwischen hat Meifert nach eigenen Angaben knapp 10 000 hauseigene Jutebeutel unter die Kunden gebracht, die diese jetzt zum Einkauf mitbringen. 1,29 Euro kostet der Beutel im Laden, von denen Meifert mit jeweils 25 Cent eine Kampagne unterstützt, die die Ostsee von treibenden Fischernetzen befreit. Der Umweltbeitrag zugunsten einer sauberen Ostsee erhöht die Bereitschaft, zur Mehrfachtüte zu greifen, meint Meifert.

Wer den Beutel nicht haben will oder zu Hause vergessen hat, kann auch im Laden auf Alternativen ausweichen. Für geringere Beträge gibt es bei ihm auch Papiertüten oder Pappkartons, um die Einkäufe davonzutragen – nur eben keine Plastiktüten mehr. Meifert ist überzeugt: „Die Bereitschaft der Kunden, hierbei umzudenken, ist größer als vielfach unterstellt.“

Gerd Grümmer steht den Plänen für ein verordnetes Zwangspfand für Plastiktüten dagegen eher skeptisch gegenüber. Der Geschäftsmann und Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes erinnert an den Flop mit dem Dosenpfand, das den Verbrauch von Einwegdosen nicht etwa gesenkt , sondern im Gegenteil erhöht hat. „Zwangsmaßnahmen sind immer schlecht“, meint Grümmer und verweist darauf, dass gerade Deutschland mit der seit Jahren geltenden Selbstverpflichtung des Handels, Tragetaschen kostenpflichtig auszugeben, sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Tatsächlich gehört Deutschland im europäischen Vergleich zu den Musterknaben, was den Verbrauch von Plastiktüten betrifft. Das von der EU gesteckte Ziel von maximal 90 Tüten pro Verbraucher bis 2019 haben die Deutschen längst erreicht. Die meisten Nachbarländer hinken deutlich hinterher.

Auch in Grümmers Edeka-Märkten können die Verbraucher zwischen verschiedenen Tüten (Plastik, Recycling, Papier oder Jute) wählen. Grümmer mag den Kunden aber auch nicht vorhalten, wenn sie dennoch zum Kunststoff greifen: „Natürlich sind alle für Müllvermeidung, aber nicht alles lässt sich in der Papiertüte wegtragen.“

 

STANDPUNKT

von Jens Bluhm

Natürlich war es es ein Risiko,  als Jan Meifert als erster Lebensmittler der Stadt die Plastiktüten aus seinen Geschäften warf. Natürlich hätten die Kunden ihm entrüstet den Rücken kehren können: Was fällt dem ein, König Kunde  vorzuschreiben, wie  der seine  Einkäufe nach Hause trägt? Aber es kam nicht so. Im Gegenteil,  der Rauswurf der Plastiktüten, längst  als Mitverursacher der Meeresverschmutzung identifiziert,  bescherte dem Geschäftsmann jede Menge Zuspruch und unter dem Strich wohl einen  (verdienten) Imagegewinn gegenüber den Mitbewerbern. Das Beispiel zeigt: Die Konsumenten  sind in ihrer großen Mehrheit bereit, für den Umweltschutz bequeme Gewohnheiten zu ändern.    Das Zwangsgeld auf die Plastiktüte dürfte auch anderen Händlern helfen, diese Gewohnheiten  zum Wohle der Umwelt zurückzudrängen.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 01.Nov.2015 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen