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Stadtgeschichte : Der Großvater wurde zur Romanfigur

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Paul Sieck war 37 Jahre Courier-Redakteur und Kollege von Hans Fallada. Die Enkel Erich und Ulrich Apel halten das Erbe in Ehren.

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erstellt am 19.Nov.2015 | 18:46 Uhr

Neumünster | Erich Paul Apel (57) und sein Bruder Ulrich (55) haben schon viel erlebt und einen für Neumünsters Geschichte  und Lokalpresse bedeutenden Vorfahren:  Ihr Großvater ist Paul Sieck (1896-1974), der 37 Jahre lang von 1925 bis 1961 als Courier-Redakteur über Neumünster berichtete und nach dem Krieg die Lokalredaktion leitete.

2015 zog es die beiden  Deutsch-Brasilianer in die Heimatstadt ihres Großvaters. In Neumünster und Hamburg sind sie im Immobiliengeschäft tätig. Von ihrem  Büro in der Holsten-Galerie aus haben sie einen faszinierenden Ausblick auf den Teich und den Gänsemarkt. Hier halten sie auch viele Schätze aus dem Nachlass ihres Großvaters in Ehren.

An den Wänden hängen einige echte Stellings. Paul Sieck, der auch Autor  etlicher Neumünster-Bücher ist, und der Maler Rudolf Stelling (1907-1989)  waren eng befreundet. Stelling widmete Sieck einige seiner Gemälde mit Neumünster-Motiven. Am bekanntesten ist das Bild „Alt-Neumünster mit Vicelinkirche“ von 1960. Stelling signierte eine Kopie mit dem Datum 1966.

Geboren wurden Erich Paul und Ulrich Apel in Recife/Brasilien. Dorthin war ihr Vater Erich Karl Friedrich Apel 1952 ausgewandert. 1956 heiratete er Siecks Tochter Charlotte Elisabet. „In der Grundschule in Recife wurde nur Portugiesisch gesprochen, im Elternhaus nur Deutsch“, erinnert sich Erich Apel. „Deutsch lesen und schreiben gelernt haben wir erst im Internatsgymnasium Schloss Plön“, sagt Ulrich Apel.  Die neun Jahre von der Sexta bis zur Oberprima waren eine harte Schule. Ganz allein waren sie aber nicht. Während der Internatszeit ging es oft zur Oma Margaretha Apel in Neumünster oder zu  Tante Elke und Onkel Hans-Wilhelm Sieck, der Zahnarzt in Neumünster war. Nach Studium/Berufsausbildung – Erich Paul Apel ist Ingenieur, Ulrich Kaufmann – ging es dann aber wieder zurück nach Brasilien, wo der Vater ein erfolgreiches Handelsgeschäft betrieb und auch die Apel-Brüder Karriere machten.

„Wir haben zwar deutsche Wurzeln, aber Deutschland und Brasilien sind doch ganz unterschiedliche Länder und Kulturen“, sagt Erich Paul Apel. Er trägt nicht nur den Vornamen seines Großvaters Paul Sieck, sondern auch den seines anderen Opas Erich Heinrich Friedrich Apel, der Mittelschulrektor an der Wilhelm-Tanck-Schule war.

Die Apel-Brüder sind sehr stolz auf ihre Großväter – „auch weil sie nichts mit den Nazis zu tun hatten“, so Ulrich Apel. Sein Großvater Apel war deswegen  nach Neumünster strafversetzt worden.   Paul Sieck  wurde in Hans Falladas  „Bauern, Bonzen und Bomben“ sogar zur literarischen Figur.  Sieck ging mit Rudolf Ditzen alias Fallada in Neumünster schon 1928 auf Recherche. „Er  ist im Roman der gute Lokaljournalist, der nicht in die Partei eintrat“, sagt Ulrich Apel.

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