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Innenstadt-Diskussion : Der Großflecken bleibt ein heißes Pflaster

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Streit um den Durchgangsverkehr beschäftigt weiter die Neumünsteraner.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2014 | 08:00 Uhr

Neumünster | Zahlreiche Zuschriften zum Für und Wider einer Sperrung des Großfleckens haben den Courier erreicht. Zum letzten Mal vor dem Bürgerentscheid veröffentlichen wir heute Leserbriefe zum Thema. Gerne können Sie uns Ihre Meinung aber auch nach dem Wahlsonntag schreiben.

 

Ich vermisse die Rechtsgrundlage

 

Christian Hausen, Hagedornbusch 40: Der Courier spricht von einer emotionsgeladenen Debatte um die Durchfahrsperre. Als Jurist vermisse ich die Rechtsgrundlage für eine „autofreie Innenstadt“, wobei doch die Durchfahrt eigentlich das Normale ist. Bestehendes sollte nur bei einem Bewährungsbeweis zugunsten des Neuen verändert werden. Paragraf 45 der Straßenverkehrsordnung erlaubt die Verkehrsberuhigung nur begrenzt, nach dem Grundgesetz besteht die Eigentumsgarantie der Anwohner. Es müssten schon deutliche Sicherheitsbedenken bestehen. Eine „Schikanierung“ ist faktisch nur zur Abwendung von Gefahren zulässig.

Nun geht es letztlich nicht um eine totale Sperrung des Großfleckens. Der Fahrradclub ist verständlicherweise für die Totalsperrung zu Lasten von Autos. Konservative fürchten die Verödung des Großfleckens. Andere verabscheuen stinkende Autoschlangen. Neumünster ist städtebaulich eher ein Rundling im Vergleich zu Kiel, dort gibt es zur klassischen Einkaufsmeile (Holstenstraße) zwei dicht daneben liegende Ersatzrouten, um den Durchgangsverkehr aufzufangen. Eine Ideallösung gibt es für Neumünster nicht, solange an der fußgängerfeindlichen Straßenführung mit Gegenverkehr festgehalten wird und sich die Stadt weiter von dem Architekten erpressen lässt. Jeder Bürger möge frei, begrenzt emotional und verstärkt argumentativ entscheiden.

 

Auf oder zu? Oder verkehrsberuhigt!


Horst Schrinner,  Achtern Knick 8: Müssen wir immer von einem ins andere Extrem gehen? Eine Verkehrsberuhigung mit einem toleranten Verhalten von beiden Seiten, sowohl von Fußgängern als auch von Kraftfahrern ist Grundvoraussetzung.

Der Großflecken ist mit einer eindeutigen Beschilderung für den Durchgangsverkehr zu sperren. (Dies ist ein Muss.) Das heißt, jeder kann reinfahren und natürlich rausfahren. Keiner darf einfach nur durchfahren. Eine Überwachung ist bei den heutigen technischen Möglichkeiten (Video) machbar. Ein bis zwei Fußgängerüberwege, Holstenstraße und Bereich Marktpassage, oder eine Fußgängerampel Übergang Holstenstraße würden zu einer Entspannung der Situation beitragen. Darüber hinaus sollte eine drastische Geschwindigkeitsbeschränkung z. B. 10 bis 15 km/h die Problematik lösen.

 

Von wegen Flaniermeile!

 

Peter Meihs,   Kieler Straße 49: Flaniermeile? – Was ist davon übriggeblieben. Kaum ein Meter! Zwischen Karstadt und Rathaus auf der Ostseite des Großfleckens sollen keine Radfahrer auf dem Bürgersteig fahren. Innerhalb von fünf Minuten kurven sieben Radler zwischen den Fußgängern umher! Und da soll eine gelöste Stimmung aufkommen? Kein Wunder, dass immer mehr Menschen im Versandhandel kaufen. Alles traurig.
 

Verdrängung in die Wohnstraßen

 

Claus-Peter Schulze, Segeberger Straße 64e: Bei der aktuellen Debatte um den Großflecken scheinen einige Aspekte aus dem Blickfeld zu geraten:
1.) Den Abbruch des Verkehrsversuchs hat weniger die Umfrage des Einzelhandelsverbandes bewirkt, sondern vor allem eine Aktion nicht im Verband organisierter Geschäftsleute, die binnen weniger Tage über 100 Unterschriften unter Kollegen gesammelt und dem Stadtpräsidenten übergeben hatten.
2.) Es steht jedem frei, die Angaben der Einzelhändler in Zweifel zu ziehen. Die Stadt hatte zur Bewertung des Verkehrsversuchs ein Monitoring mit dem Einzelhandel vereinbart. Anstatt nun laut zu lamentieren sollten die Ratsmitglieder einfach ihre Hausaufgaben machen und die Ergebnisse des Monitorings einfordern.
3.) Die Stadt postuliert „keine wesentliche Mehrbelastung in den Nebenstraßen (maximal 15 Prozent)“. Das ist ein Tagesdurchschnittswert. Betrachtet man jedoch die Verteilung dieses Zuwachses über den Tag, stellt man beispielsweise für die Schützenstraße fest, dass während des Verkehrsversuches ab den späten Vormittagsstunden bis weit in den Nachmittag hinein die Mehrbelastung bei 20 Prozent lag. Wird nun – anders als beim Verkehrsversuch – der Großflecken von 0 bis 24 Uhr für den Durchgangsverkehr gesperrt, werden sich auch die Verkehrsspitze des morgendlichen Berufsverkehrs und das noch starke Verkehrsaufkommen in den Abendstunden ihre Schleichwege durch die Wohnstraßen suchen.
4.) Im Rahmen des Verkehrsversuchs wurde zugesichert, nach Abschluss der Bauarbeiten in den Querstraßen auch die Schützenstraße zur Einbahnstraße in Fahrtrichtung Altonaer Straße zu machen. Diese Zusage wurde mittlerweile still und heimlich wieder kassiert. Eine Maßnahme, die den Verkehr aus der Innenstadt unkontrolliert in die Wohnstraßen abdrängt, verdient das Etikett „Verkehrsberuhigung“ nicht.

 

Wir brauchen den richtigen Mix

 

Egon Sievers, Christianstraße 8-10: Zum ersten Mal können wir Bürger am Sonntag beim Bürgerentscheid selbst entscheiden, ob wir weiterhin den Durchgangsverkehr auf dem Großflecken dulden wollen oder nicht. Wenn es zur Sperrung kommt, müssen allerdings einige Punkte realisiert werden: Eine gute Erreichbarkeit der Neumünsteraner City mit der Holsten-Galerie ist ein wesentlicher Faktor für die Attraktivität der Innenstadt. Wir Bürger erwarten, dass die jetzigen Park- und Anfahrtssituation schneller und bequemer wird, damit wir in Ruhe bummeln und einkaufen können.

Wir brauchen auf dem Großflecken dringend mehr attraktiven Branchen- und Mietermix, um die Aufenthaltsqualität und Kaufbereitschaft zu stärken.

Alles das ist möglich, wenn die Verkehrsführung im Innenstadtbereich richtig und zukunftsweisend ist.

 

Jetzt die Chance nutzen

 

Achim Danker, Paul-Klee-Straße 41: Schaut auf diese Stadt und entscheidet über ihre und unsere Zukunft. Nutzt die Bürgerbefragung zum Votum für eine menschen- und kundenfreundliche Innenstadt. Eine solche Chance zur aktiven Mitgestaltung unserer Stadtgeschichte kommt so schnell nicht wieder: Ja zur Durchfahrtsperre.


 

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