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Schon acht Lecks : Der Gasspürer misst im Fünf-Sekunden-Takt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Siegfried Hieke ist im Umland unterwegs, um Gaslecks zu finden. Auch in Wasbek machte er seine Tour.

Wasbek | Siegfried Hieke wird Ende des Jahres rund 1000 Kilometer gelaufen sein. Doch das ist für den 59-Jährigen kein entspanntes Freizeitvergnügen, sondern anstrengender Arbeitsalltag. Denn der Kasseler ist seit zwölf Jahren als Gasspürer in ganz Deutschland und auch im Ausland unterwegs, um Erdgasleitungen zu kontrollieren. Zurzeit prüft Hieke im Auftrag der Schleswig-Holstein Netz AG (SH Netz) auf rund 130 Kilometern Leitungen und Hausanschlüsse in Neumünster und Umgebung. Der Courier begleitete ihn in Wasbek ein Stück seines Weges.

Sein „rollendes Büro“ hat Siegfried Hieke gegenüber der Kirche geparkt. Zunächst überprüft er, wie jeden Tag, seine Ausrüstung. Anschließend schnallt er sich das Gasspürgerät (Flammen-Ionisationsdetektor – kurz FID), das mit einem Schlauch mit der an einem Stab auf dem Boden geführten Messsonde verbunden ist, auf den Rücken und hängt sich einen Tablet-Computer  vor die Brust. Dann geht es zügigen Schrittes mit rund zwölf Kilo Gewicht „am Mann“ auch schon los.

„Die im PC gespeicherten Pläne zeigen die Lage der Gasleitungen genau an und auch, welche Art Leitung es ist: Hoch-, Mittel- oder Niederdruckleitung. Beim Messvorgang wird die Luft direkt am Boden abgesaugt. Die Sonde erkennt dabei bereits kleinste Mengen  Gas in der Luft. Durch den FID wird dieses Signal verstärkt und löst im Schadensfall ein Piepen aus“, erklärt Siegfried Hieke. Wie fein die Spürnase ist, erklärt er schmunzelnd an einem Beispiel: „Wenn eine Million Menschen in einem Stadion sitzen, findet das Gerät denjenigen mit dem falschen Trikot!“

Bei einem Schadenshinweis sucht der Gasspürer den Ursprung. Dabei kann er auch feststellen, ob es sich tatsächlich um ausgetretenes Erdgas handelt oder beispielsweise nur um Faulgase aus dem Boden. Erhärtet sich der Verdacht, wird mit  Bohrungen die genaue Schadensstelle sowie auch Dringlichkeit ermittelt. Falls nötig, seien die zuständigen Rohrnetzkolonnen (in Neumünster und Umland sind das die Stadtwerke) dann innerhalb kürzester Zeit vor Ort, um den Schaden zu beheben.

„Doch wirklich gefährliche Fälle hatte ich seit Jahren nicht mehr“, berichtet der Siegfried Hieke. Durch die vorgeschriebenen Prüfungen der Hausanschlüsse gebe es auch kaum noch die früher häufig auftretenden Kelleranzeigen. Bisher habe er bei seinem Einsatz in Neumünster acht Schadensstellen gefunden. „Das ist wenig. Früher gab es zum Beispiel in Tungendorf erheblich mehr Schäden. Aber nach der Sanierung der Leitungen findet sich dort jetzt kaum noch etwas“, erzählt er. Trotzdem blieben die regelmäßigen Kontrollen wichtig. Sie werden je nach Leitungsart, Schadensmenge und Material alle zwei bis vier Jahre vorgenommen. „Es wird allerorts ständig gebuddelt. Das Gefährliche an Gas ist jedoch, dass es kriecht, sodass es oft an Stellen rauskommt, die man gar nicht vermutet“, erläutert der Fachmann.

Auf seinem Zickzack-Gang durch die Straßen werde er schon manchmal neugierig beäugt. „Und bei der Kontrolle von Hausanschlüssen, für die ich Privatgrundstücke betreten muss, gibt es auch manchmal Diskussionen, weil Leute erwarten, dass ich mich anmelde. Das geht aber nicht, weil das Messen bei Regen oder Frost schlicht nicht möglich ist. Außerdem dauert der Messvorgang ja nur fünf Sekunden“, erklärt er. Dann muss Siegfried Hieke weiter. Sein Zeitplan ist eng. Denn in den kommenden zweieinhalb Wochen soll er auch noch die Leitungen unter anderem in Padenstedt, Ehndorf und Arpsdorf prüfen.

Ein Ausbildungsberuf ist der Gasspürer  nicht. Doch angehende „Schnüffler“ werden mindestens ein Jahr lang von erfahrenen Kollegen eingewiesen. Außerdem müssen die Experten ein Zertifikat vorweisen, das regelmäßig mit einer Prüfung bestätigt werden muss.

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