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Literaturcafé Einfeld : Der Freischütz mit Fingerschnippen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Eine kuriose und überraschende Präsentation der Weber-Oper begeisterte am Sonnabend 90 Gäste im ausverkauften Literaturcafé in Einfeld.

Neumünster | Den Freischütz, eine romantische Oper von Karl Maria von Weber, als swingende Jazz-Version auf die Bühne zu bringen, das geht gar nicht, meinen sicher viele Opern-Fans. Drei ausgewiesene und mit zahlreichen Preisen geehrte Jazz-Musiker bewiesen am Sonnabend 90 Gästen im ausverkauften Literaturcafé in Einfeld das Gegenteil: Es geht doch!

Harald Rüschenbaum, Andreas Kurz und Daniel Mark Eberhard jazzten sich von der Ouvertüre bis zum furiosen Finale, ständig mit tosendem Beifall belohnt, durch die original Opernmusik von Weber. „Natürlich haben wir anders arrangiert, andere Akkorde eingesetzt und eben ganz persönliche Improvisationen dazugetan“, sagte Daniel Mark Eberhard, Professor an der Universität der Berliner Künste, der am Piano ungemein lustvoll und kreativ agierte. Harald Rüschenberg am Schlagzeug, auf internationalen Jazzbühnen zuhause, präsentierte sein Instrument grandios. Da er auch noch der Comedian des Trios ist, konnten die Zuhörer etwa den „abstürzenden schwarzen Adler“ oder „das Geschehen in der höllischen Wolfsschlucht“ nicht nur akustisch genießen, sondern auch durch seine Mimik und Gestik. Wie Andreas Kunz am Bass das Dunkle, Magische in der Wolfschluchtnacht interpretierte, quittierten die Zuhörer mit stürmischen Beifall. Webers Lied vom schönen grünen Jungfernkranz für Agathe mit rhythmischen Fußbewegungen und Fingerschnippen zu erleben, war ein besonderes Erlebnis. Das Finale hatte fast Pop-Charakter.

Mit Begeisterung nahmen die Zuhörer auch das eigenwillige, augenzwinkernd und modernisiert erzählte „Libretto“ von Dr. Wolfgang Griep auf. Immer wieder köstlich, wie der Historiker und Literaturwissenschaftler den Caspar charakterisierte: Erst im klassischen Text fährt Griep fort, dass ihn seine Erfahrungen als Heizdeckenverkäufer befähigen, Max zu verführen. Die in der Nacht gegossenen sieben Freikugeln sind für ihn eine „limitierte Sonderedition, die nur in dieser Nacht zu haben ist.“ Den Eremiten bezeichnete Griep als „früheren Typberater, der ausgestiegen ist.“ Immer wieder gabe es Szenenapplaus.

Text und Musik verbanden die Akteure auf faszinierende Weise: Locker leicht, eng an der Weberschen Musik, die in Themen und Motiven immer wieder durchklang, steigerten sich Musiker und Sprecher im Laufe des Abends: Als Griep die Szene mit Agathes Ängsten beschrieb, folgte die Musik in E-Dur bis zum hohen H. Ein Erlebnis. Ebenso der verwirrende, wilde Jazz zu Agathes Sturz nach dem Probeschuss. „Weber als Musikreformer hätte das gefallen“, war Griep überzeugt. Dem konnten alle Gäste zustimmen: Ein Volltreffer, dieser Freischütz. Nicht unerwähnt bleiben darf die fleißige Arbeit des Teams um Literaturcafé-Chefin Claudia Toppe für die ideenreiche Versorgung des Publikums.

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