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Holsteinischer Courier

17. Oktober 2017 | 04:12 Uhr

TV-Duell : Der eigene Kandidat hat gewonnen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neumünsters Parteispitzen vermissten in der Fernseh-Debatte Merkel – Steinbrück das Salz in der Suppe. Beide Parteien sehen ihren Kandidaten vorn. Der Courier fragte Passanten auf der Straße: Wer hat Ihnen besser gefallen?

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2013 | 17:00 Uhr

Die Junge Union hatte die Parteigänger zum spannenden Fernsehabend mit der Kanzlerin in ihre Geschäftsstelle geladen, die SPD wollte ihren Kandidaten beim Public Viewing in der Klostermühle siegen sehen. Grund zum Jubel gab es nach 90 Minuten Polit-Fechten auf der Mattscheibe allerdings weder hier noch dort: Dazu war das mit Spannung erwartete einzige TV-Aufeinandertreffen von Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Peer Steinbrück am Sonntagabend dann doch zu harmlos und ausgewogen.

„Mir hat der Schlagabtausch in der Sache gefehlt“, monierte gestern, am Tag danach, Babett Schwede-Oldehus, Chefin der CDU-Ratsfraktion – und sprach dabei unversehens auch einigen SPD-Beobachtern aus dem Herzen. Beide Kontrahenten hätten nur wenig Gelegenheit gehabt, auf die Argumente des jeweils anderen einzugehen, kritisierte Schwede-Oldehus, die das auch der „Moderatorenlastigkeit“ des TV-Duells zuschrieb. Neumünsters SPD-Parteichef Fred Brocksema sah das ähnlich, hätte sich aber auch einen etwas bissigeren Kanzlerkandidaten gewünscht: „Vielleicht hätte Steinbrück bei einigen Themen stärker nachfassen können“, meinte Brocksema, etwa beim Thema Rettungspaket. Vielen Wählern seien die unterschiedlichen Ansätze in der Strategie der Krisenbekämpfung doch kaum bewusst, sagte der SPD-Politiker.

Wenig überraschend: Unter dem Strich sah man selbstredend jeweils den eigenen Kandidaten als Gewinner des Duells: „Merkel hat zwar viel geredet, aber Steinbrück war konkreter“, bescheinigte Brocksema seinem Kanzlerkandidaten. „Er hat genau gesagt, was er will – ein starker Auftritt.“ Babett Schwede-Oldehus sah klar die Kanzlerin vorn: „Sie wirkte authentisch und souverän, wenn auch nicht spektakulär, das ist nicht ihre Art.“ Neumünsters CDU-Chef Wolf Rüdiger Fehrs empfand Merkel in der Diskussion als „kompetenter, sympathischer und glaubwürdiger“. SPD-Fraktionschef Uwe Döring sah einen „konkret antwortenden und gut erklärenden Steinbrück“ und eine „präsidial wirkende aber unverbindlich redende Kanzlerin“. Der Ex-Minister, dem die Fallstricke medialer Wirkungen durchaus vertraut sind, nahm den Kanzlerkandidaten auch gegen den Vorwurf mangelnder Angriffslust in Schutz: „Hätte er den Haudrauf gegeben, hätte man ihm genau das vorgehalten und mit Punktabzug bei den Sympathiewerten bestraft“, sagte Döring. Steinbrück habe die schwierige Gratwanderung des Angreifers gemeistert, so Döring weiter. Immerhin habe er der Kanzlerin abgenötigt, sich öffentlich von der Pkw-Maut zu distanzieren.

Ein Extralob gab es von manchem Beobachter für den forschen Auftritt von Stefan Raab im Moderatorenteam: „Der hat munter drauflos gefragt und nachgehakt“, zeigte sich Döring überrascht. Das komme beim Wähler besser an als Hofberichterstattung.

 

 

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