„Kultus-Night“ in Bordesholm : Der eigene Alltag als Realsatire

Realsatire im Viererpack:  Niko Formanek (von links), Volker Diefes, Lisa Kos und Bademeister Schaluppke sorgten für Lachtränen beim Publikum.
Realsatire im Viererpack: Niko Formanek (von links), Volker Diefes, Lisa Kos und Bademeister Schaluppke sorgten für Lachtränen beim Publikum.

Vier schräge Künstler begeisterten das Publikum bei der ersten „Kultus-Night“ im Bordesholmer Savoy.

shz.de von
07. März 2018, 07:15 Uhr

Als die vier schrägen Typen die Bühne des Savoys aufmischten, blieb kein Auge bei den 100 Gästen der speziellen und erstmaligen „Kultus-Night“ trocken. Ein Österreicher in der Midlife-Krise und mit viel Wiener Schmäh, ein subversiver, gesellschaftskritischer Bademeister, eine musizierende Variante von „Russendisko“-Schöpfer Wladimir Kaminer und ein kalauerndes Original vom Niederrhein wurden präsentiert.

Selten war die Mischung in Bordesholm so bunt und vielfältig und für jeden Geschmack etwas dabei. Wenn Ösi Niko Formanek noch einmal seine in Bordesholm schon bekannten Abenteuer mit seinen pubertierenden Kindern im Abenteuerurlaub zum Besten gab, fand sich jeder wieder, der einmal eine Familie gegründet hat. Alt werden wir schließlich alle – und Formanek spendete dabei auf hintersinnige und witzige Weise Trost.

Lisa Kos strapazierte an diesem Abend als nach Deutschland eingewanderte Russin bisweilen den in der Satire inflationär gebrauchten Integrationsnerv, fand aber durch sympathisch zurückhaltenden, gleichwohl deutlichen Ton hintersinnige Botschaften zwischen ernst und lustig. Volker Diefes kannte als rheinische Frohnatur keine Gnade, schwadronierte über seine mannestypische Plauze – und zeigte sie auch ohne Hemmungen. Überrumpelung hieß seine Devise, und wenn die Stimmung erst einmal am Kochen war, funktionierten die Witze fast wie von selbst.

Bademeister Schaluppke war der heimliche Star des Abends, denn kaum einer schaute seiner Umgebung so nassforsch und staubtrocken ins Hirn und in die Hose. Schaluppke kannte die Macken und Neurosen seiner feuchten Klientel. Dies demonstrierte er mit komischer Körperverrenkung, einer „Weiß-Bescheid-Attitüde“, die keinen Widerspruch duldete und mit ollen Kamellen, die bei ihm wieder spritzig-witzig wurden. Über zwei Stunden ging die Sause, und am Ende wurde deutlich, wie schnell der eigene Alltag in eine nie endende Realsatire münden kann.

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