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Vergessenes Denkmal : Der „Düppelstein“ am Alsenplatz

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In Tungendorf wurde vor 100 Jahren der Erstürmung der Düppeler Schanzen 1864 gedacht. Die Chronik von Rudolf Tonner beschreibt den Festakt.

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erstellt am 07.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Neumünster | Der übermannshohe Findling am Alsenplatz in Tungendorf macht einen etwas vergessenen Eindruck. Und in der Tat wissen viele heute damit nichts anzufangen. Erst wenn man näher herantritt und genauer hinschaut, ist die Inschrift mit zwei Jahreszahlen zu erkennen: 1864 - 1914.

Vor 100 Jahren gedachten die Menschen in der damals noch selbstständigen Gemeinde Tungendorf der Erstürmung der Düppeler Schanzen 50 Jahre zuvor im deutsch-dänischen Krieg von 1864. Die Befestigungsanlage westlich von Sonderburg an der Flensburger Förde sicherte den Übergang zur Insel Alsen. Die Erstürmung durch preußische Bundestruppen am 18. April 1864 entschied den Krieg.

Der heutige Straßenname Alsenplatz klingt weniger martialisch als „Düppelplatz“. So nennt der Schulrektor Rudolf Tonner (1876-1945) in der Schul-Chronik den Winkel zwischen Tungendorfer Straße und Schulstraße. Tonners in Sütterlin verfasste Aufzeichnungen sind von Johannes Theede in lateinische Druckschrift übertragen worden. Henning Möbius, Tungendorfs langjähriger Stadtteilvorsteher, hat darin geblättert.

Die Zeilen Tonners zeugen vom vaterländischen Geist des Jahres 1914. Der riesige Findling stammte aus der Feldmark und war ein Geschenk des Hufners Riepen. „Für die würdige Aufstellung des Steines und Gestaltung des Denkmalplatzes waren Mittel durch freiwillige Gaben zusammengebracht worden“, heißt es bei Tonner. Angestellte der Eisenbahnwerkstatt hatten den Stein herantransportiert.

Weiter heißt es bei Tonner zur Feier des Tags von Düppel: „Um 1 1/2 Uhr bewegte sich ein bisher in Tungendorf nicht gesehener Festzug durch unsere Straßen. In bunter Folge Musik, Festausschuß, Veteranen von 1849 zu Wagen, Kriegervereine aus Neumünster und Umgebung mit ihren Fahnen ...“ Über eine Passage Tonners muss Henning Möbius als Sozialdemokrat schmunzeln. Tonner bezeichnet das Denkmal als das „erste äußere Zeichen vaterländischen Gedenkens“ in der Gemeinde und freut sich über die große Beteiligung, obwohl „von den reichlich 3000 Einwohnern 90 Prozent Arbeiter sind“.

Ein bemerkenswertes Zeitdokument, denn nur wenige Monate später brach der Erste Weltkrieg aus. Auch im roten Tungendorf zogen die Arbeiter in den Krieg. Viele fielen für Kaiser, Volk und Vaterland. Schulleiter Rudolf Tonner erfuhr vom Attentat in Sarajevo am 28. Juni 1914 übrigens auf der Rückreise von Sonderburg. Dorthin war er als Vorsitzender des Turn- und Sportvereins Tungendorf mit einer Vereinsabordnung gefahren, um an der 50-Jahr-Feier von Düppel-Alsen teilzunehmen.

Henning Möbius findet es „bemerkenswert, dass der Stein und der Ursprung des Namens Alsenplatz in der geschichtlichen Erinnerung nahezu verblasst sind.“ Ihn stört das aber nicht. Vielmehr sieht er darin ein „hoffnungsvolles Zeichen der Versöhnung mit unseren freundlichen Nachbarn im Norden“ und für das „Zusammenwachsen in Europa“. Das ehemals Kriegerisch-Trennende spielt keine Rolle mehr.

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