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Hoher Krankenstand: : Der Druck auf den OB wächst

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hohe Ausfallzeiten in der Stadtverwaltung sorgen in den Fraktionen für Unruhe. Gegenmaßnahmen sollen zur Chefsache werden

von
erstellt am 04.Sep.2014 | 06:30 Uhr

Neumünster | Der starke Anstieg der Krankenquote in der Stadtverwaltung beunruhigt die Ratsfraktionen. Im Hauptausschuss am Dienstagabend erhöhten sowohl die SPD als auch die CDU den Druck auf den Oberbürgermeister, die Ursachen für die seit vier Jahren zunehmenden Ausfallzeiten aufzudecken und gegenzusteuern.

„Ich bin über die Zahlen tief erschrocken. Die Bekämpfung muss Chefsache werden“, sagte Ratsherr Volker Andresen (SPD). Sein Fraktionskollege Arno Jahner bedauerte, dass die Verwaltung das Angebot aus den Parteien, beim Aufbau von Netzwerken zum besseren Gesundheitsmanagement in der Verwaltung zu helfen, bislang kaum angenommen habe. „Ein Unternehmen mit diesem Krankenstand würde zeitnah in die Knie gehen“, sorgte sich auch Gerd Kühl (CDU).

Auslöser der neuerlichen Debatte über den Krankenstand war der Personalbericht für 2013, den die Verwaltung vorstellte. Danach haben die 1421 Beschäftigten der Stadt im vergangenen Jahr insgesamt 35 445 Fehltage verursacht. Im Durchschnitt meldete sich jeder Mitarbeiter 24,9 Tage krank. Das entspricht einer Krankheitsquote von 6,8 Prozent (Beamte 4,9 Prozent, Arbeitnehmer 7,4 Prozent).

Bereits im Februar hatte der Personalrat auf den wachsenden Krankenstand hingewiesen und Alarm geschlagen: Die Stadt verletze ihre Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern (wir berichteten). Um den Trend zu brechen und die Zahlen wieder zu senken, hat die Stadtverwaltung im Juli dieses Jahres eine eigene Gesundheitsmanagerin eingestellt. Die sei allerdings noch in der Einarbeitung, hieß es im Ausschuss.

Die Personalratsvorsitzende Sabine Heidebrecht-Rüge begründete die steigenden Fehlzeiten unter anderem mit der zunehmenden Doppelbelastung vieler Mitarbeiter und wachsenden Aufgabenfeldern. Auch das Durchschnittsalter (46,2 Jahre) der Rathausmitarbeiter trage zum hohen Krankenstand bei. Fatal: Höhere Krankenstände führten zu Mehrbelastungen der verbleibenden Mitarbeiter und provozierten damit weitere Krankheitsausfälle, meinte sie.

Einen Korb bekam die Verwaltung im Hauptausschuss für ihre Idee, die Stadt an die bundeseinheitliche Behördennummer 115 anzudocken. Ähnlich wie bei den Notrufnummern 110 oder 112 sollen Anrufer in diesem System innerhalb kurzer Zeit Antworten auf alle Fragen zu Behörden oder kommunalen Dienstleistungen erhalten – jeweils speziell auf die jeweilige Stadtverwaltung zugeschnitten. Die dafür notwendigen Informationen müssen vorab in eine zentrale Datenbank eingespielt und gepflegt werden. Das kostet allerdings allein in der Startphase rund 36 000 Euro. Die Skeptiker verwiesen auf die funktionierende Telefonzentrale im Rathaus. Esther Hartmann (BFB) bezweifelte zudem den Nutzen der neuen Behördennummer. Nach den Erfahrungen aus Kiel und Pinneberg, wo das System bereits laufe, nutzten derzeit nur 5 bis 8 Prozent die 115. Die Mehrheit lehnte den Vorstoß der Verwaltung ab, die SPD enthielt sich. Das letzte Wort hat die Ratsversammlung.

Auf Anregung von Arno Jahner will der Hauptausschuss wieder verstärkt auf die Einhaltung der korrekten Beratungsfolge in den Ausschüssen achten. Jahner monierte, dass etwa die Sanierung des Feuerwehrhauses in Wittorf erst nach dem Bauausschuss im eigentlich zuständigen Brandschutzausschuss beraten werden solle. Der Hauptausschuss machte Nägel mit Köpfen und nahm die Feuerwehrthemen wieder von der Tagesordnung des heute tagenden Bauausschusses.

Standpunkt

Das Problem ist nicht neu, aber das macht es nicht kleiner  – im Gegenteil: Je länger der hohe Krankenstand in der Verwaltung links liegen gelassen wird, desto schneller werden sich die daraus ergebenden Probleme auftürmen. Die Stadt ist es   nicht nur ihren Mitarbeitern, sondern auch ihrer Effektivität und damit ihren Bürgern schuldig, die Ursachen  der Ausfallzeiten exakt zu analysieren und Konzepte zur Abhilfe zu entwickeln. Die Mammutaufgabe muss endlich angegangen werden. 

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