Rudolf Schlender : Der dienstälteste Pastor geht in Rente

Pastor Rudolf Schlender hat immer den Kontakt zu den Menschen gesucht. Gestern schaute er sich beim Spielenachmittag der Senioren im Gemeindesaal der Versöhnungskirche um.
Pastor Rudolf Schlender hat immer den Kontakt zu den Menschen gesucht. Gestern schaute er sich beim Spielenachmittag der Senioren im Gemeindesaal der Versöhnungskirche um.

Rudolf Schlender von der Versöhnungskirche hört am 29. März auf. Er war seine gesamte Amtszeit in der Gartenstadt tätig.

shz.de von
14. Januar 2015, 17:00 Uhr

Neumünster | Heute darf er das sagen: „Ich hätte auch nichts dagegen gehabt, in Hamburg zu arbeiten. Aber damals gab es eben dort keine Stelle.“ Damals – das war im Mai 1981. Der junge Rudolf Schlender aus Hellental bei Holzminden hatte seine Lehre zum Industriekaufmann und ein Theologie-Studium in Kiel sowie das Vikariat in Hamburg abgeschlossen. In der aufstrebenden und ständig wachsenden Versöhnungsgemeinde in der Gartenstadt fand er seine erste Pfarrstelle. Es sollte bis zu seiner Rente auch seine letzte sein.

Nach fast 34 Jahren geht der dienstälteste Pastor in Neumünster am 29. März in Rente. Um 15 Uhr verabschiedet ihn Propst Stefan Block an diesem Tag. Bis dahin geht der Alltag für den Vater von drei erwachsenen Kindern aber ganz normal weiter. Gottesdienste, Beerdigungen, Hochzeiten, Konfirmanden und Senioren – Rudolf Schlender überlegt. Keinen einzigen Weihnachts- oder Ostergottesdienst hat er in all den Jahren verpasst. „Es gab einige Jahre, da hatte ich immer zu Weihnachten eine Erkältung. Einmal war auch die Stimme weg, da musste die Küsterin die Predigt halten. Aber ich war da.“ Rund 350 Paaren nahm er das Eheversprechen ab, mehrere tausend Jugendliche hat er konfirmiert, über 1000 Gartenstädter musste er aber auch beerdigen.

Als er 1981 kam, fragten die Gartenstädter, ob er länger bliebe. Zwei Jahre war die Stelle in der erst 1964 von der Anscharkirche abgetrennten Gemeinde vakant. Drei Vorgänger gab es da schon. Schlender blieb. „Ich traf auf eine engagierte, gut aufgebaute, junge und selbstständige Gemeinde. In der sogenannten neuen Gartenstadt hatten sich viele Familien mit Kindern niedergelassen. „In den ersten Jahren hatte ich 240 Konfirmanden. Das war schon anstrengend.“ Heute sind es noch knapp über 40. Schlender liebt die Arbeit mit den Kindern der Kleinen Arche, die 2012 in den Neubau zogen. Er trifft aber auch gerne die Senioren, diskutiert mit Erwachsenen. „Die Arbeit hat mir bis heute Spaß gemacht. Es war immer interessant, und ich habe nach wie vor ein tolles Team.“

Im Ruhestand freut er sich vor allem auf eins: Ruhe. „Ich hatte in all den Jahren kaum Urlaub, möchte wieder mehr lesen.“ Mit seiner Frau, die einst seine Klavierlehrerin war und heute noch als Organistin in der Gemeinde arbeitet, will er mehr reisen. Von der Gartenstadt ist er schon nach Brachenfeld umgezogen. Rudolf Schlender fasst zusammen: „Ich hätte auch gerne in Hamburg gearbeitet. Aber die Gartenstadt war noch besser.“

Zwei Bewerberinnen für die Nachfolge gibt es bereits. Am Sonntag, 25. Januar, stellt sich um 10 Uhr Pastorin Susanne Büstrin da Costa vor. Eine Woche später, am 1. Februar, folgt um 10 Uhr Pastorin Martina Ulrich. Jeweils im Anschluss hat die Gemeinde die Möglichkeit, mit den Bewerberinnen ins Gespräch zu kommen. Der Gemeinderat entscheidet über die Besetzung am 19. Februar.

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