Der Courier wird 140 Jahre alt

Die Probe-Nummer des Holsteinischen Couriers erschien am 3. April 1872 und warb um Abonnenten. Foto: HC
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Die Probe-Nummer des Holsteinischen Couriers erschien am 3. April 1872 und warb um Abonnenten. Foto: HC

Neumünsters Blatt der Stadt erschien 1872 noch nicht als Tageszeitung, sondern drei Mal in der Woche

shz.de von
03. April 2012, 03:59 Uhr

Neumünster | Eine der ältesten Zeitungen des Landes feiert heute ihren 140. Geburtstag: Mit einer Probe-Nummer luden die "Expedition" und die "Redaction" des Holsteinischen Couriers am 3. April 1872 die Neumünsteraner zum Abonnement der neuen Zeitung ein. Eine Tageszeitung war der Courier zunächst noch nicht. "Das Blatt erscheint 3 Mal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, Morgens", heißt es im Titelkopf der allerersten Ausgabe.

Der Abonnementpreis frei Haus betrug 22 1/2 Silbergroschen pro Quartal, bei Bezug durch die kaiserlichen Postanstalten waren es 25 Silbergroschen. Inserate finden "sowohl für Neumünster als für die Umgegend die zweckdienliche Verbreitung" und kosten "1 1/2 Sgr. = 2 Schillinge pro 4spaltige Petit-Zeile oder deren Raum".

Ein Jahr nach der Reichsgründung und zwei Jahre nach der Zuerkennung der Stadtrechte für Neumünster ist in der neuen Zeitung der Stolz auf die "Einigkeit des großen Vaterlandes" unverkennbar. Die Courier-Redaktion erhebt den Anspruch, als "leitendes politisches Parteiblatt" betrachtet zu werden: "Wir wollen unter liberaler Fahne uns allen Bestrebungen anschließen, die geeignet erscheinen, zur Wohlfahrt und gedeihlichen inneren Entwicklung des ganzen deutschen Vaterlandes beizutragen", heißt es in Fraktur-Lettern in der ersten Ausgabe.

Dort gibt es auch Leitartikel und Berichte von allen wichtigen Ereignissen und Fragen auf dem Gebiet der nationalen und internationalen Politik. Die Rubrik "Lokal-Chronik" widmet sich den Vorgängen in der Stadt, der "Umgegend" und in Schleswig-Holstein. In der Rubrik "Land- und Volkswirtschaft" hoffen die Courier-Macher von 1872, "durch regelmäßige Preis-Notirungen der Cerealien auf unseren Wochenmärkten" das "Interesse der Umgegend für unser Blatt rege zu halten". Das Feuilleton startet mit der Novelle "Intriganten" von Eduard Hammer. Vieles von damals ist immer noch aktuell: "Einsendungen" der Leser werden im "Briefkasten" beantwortet, die Rubrik "Amtliches" gibt Verfügungen der Verwaltung bekannt.

Gegründet wurde der Holsteinische Courier vom Buchdrucker Robert Hieronymus (1849-1900). Verlegt wurde die Zeitung zunächst am Großflecken 13. Im Jahr 1893 erfolgte der Umzug an den Gänsemarkt, wo der Courier auch heute noch zu finden ist. 1919 kaufte Karl Wachholtz den Zeitungsverlag. Am 7. April 1945 wurde das Verlagshaus durch Fliegerbomben zerstört. Im Oktober 1949 konnte die Zeitung wieder erscheinen, 1954 wurde das neue Courier-Haus am Gänsemarkt eröffnet. Verleger war seit 1950 Ulf Wachholtz, und nach seinem Tod trat Dr. Gisela Wachholtz an die Spitze des Verlags. 1974 trat ihr Sohn Uli Wachholtz in den Verlag ein. Er ist heute Mitherausgeber des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags, zu dem der Courier seit 2001 gehört. Aber die Nachrichten der Stadt, die kommen bis heute aus dem Courier-Haus am Gänsemarkt.

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