Der Chef des Amtsgerichts gibt seinen Richterstatus auf

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27. Juli 2010, 03:59 Uhr

Neumünster | Manchmal gestehen auch Richter: Ja, der Abschied falle ihm schon ein wenig schwer, räumt Wilfried Hoops (53) ein. Neben zahlreichen guten Kontakten zu fast allen Behörden und Einrichtungen in Neumünster haben sich in den vergangenen zwölf Jahren eben auch persönliche Freundschaften entwickelt, sagt der Direktor des Amtsgerichts, der Neumünster jetzt dennoch den Rücken kehren will.

Zum Oktober übernimmt Hoops im Kieler Justizministerium die Leitung der "Abteilung rechts- und justizpolitische Angelegenheiten, Personal, Gerichte und Staatsanwaltschaften". Der scheidende Gerichtsdirektor wird damit zu einem der ranghöchsten Justizbeamten in Schleswig-Holstein. Die Abteilung mit dem etwas sperrigen Namen ist unter anderem für die praktische Umsetzung von neuen Gesetzen zuständig, arbeitet für das Land justizpolitische Stellungnahmen etwa zur Vorbereitung neuer Gesetze aus oder entwickelt Vorschläge zur effektiveren Justizarbeit im Lande.

Für Hoops ist die aktive Mitgestaltung am Justizwesen "Herausforderung und Traumjob" zugleich. Dafür war er sogar bereit, seinen Status als Richter aufzugeben. Als politischer Beamter ist er künftig direkt dem Justizminister beziehungsweise dessen Staatssekretär unterstellt. Über die Berufung des parteilosen Juristen hatte das Kabinett bereits in der vergangenen Woche entschieden, am Freitag erhielt er seine Ernennungsurkunde.

Wer dem Neumünsteraner, der bereits im Umland Kiels wohnt, als Direktor des Amtsgerichts nachfolgen wird, ist noch offen. Die Entscheidung fällt der Richterwahlausschuss des Landes vermutlich erst Ende Oktober, bis Ende des Jahres wird das Amtsgericht voraussichtlich kommissarisch geleitet.

Wilfrid Hoops hatte die Leitung des Amtsgerichts Neumünster 1998 von Dieter Thielow übernommen. In seine Amtszeit fiel unter anderem die Teilübernahme des ehemaligen Amtsgerichts Bad Bramstedt (1999) sowie der Aufbau des Insolvenzgerichts Neumünster. Mit rund 1300 bis 1500 Anträgen pro Jahr aus den Gerichtsbezirken Plön, Rendsburg, Eckernförde und Neumünster gehört das hiesige Insolvenzgericht zu den größten im Lande. Am Amtsgericht sind derzeit 17 Richter und rund 110 Mitarbeiter beschäftigt.

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