Neumünster : Der Busfahrer sitzt in der Knautschzone

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Der Courier war Zaungast beim Fahrsicherheitstraining im SVG-Schulungszentrum.

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14. März 2018, 12:00 Uhr

Neumünster | Ein mit allem Komfort ausgestatteter Reisebus kostet rund eine halbe Million Euro. Da lohnt es sich schon, einen Bruchteil dieser Summe in die Fahrsicherheit zu investieren. Der Courier schaute den Busfahrern von Möllers Reisedienst beim Training auf dem Schulungsgelände der Straßenverkehrsgenossenschaft (SVG) am Stoverweg über die Schulter.

Fahrtrainer Rolf Junge ist ein alter Hase in diesem Geschäft. „Ich denke mal, ich erzähle nichts Neues. Aber weist Ihr darauf hin, dass die Fahrgäste angeschnallt sind?“ Für die neun Berufskraftfahrer des Traditionsunternehmens Möller ist das Routine. „Ja, wir weisen vor Fahrtantritt auf das Sicherheitspaket und die Anschnallpflicht hin, zeigen wo die Notausgänge und wo der Feuerlöscher ist“, sagt Busfahrer Christian Schröter.

Weitere Stichworte von Trainer Rolf Junge sind die korrekte Einstellung von Sitz, Rückenlehne und Spiegel. Etwas angewinkelt und nicht zu gestreckt soll die Feußstellung sein. „Man muss noch die richtige Hebelwirkung zum Bremsen haben“, weiß Fahrer Rolf Albrecht. „Das Bein darf nicht abgeschnürt werden. Nutzt die vielen Einstellmöglichkeiten für einen ergonomischen Arbeitsplatz“, schärft Sicherheitsexperte Rolf Junge den Busfahrern ein.

Die Sicherheitszelle im Reisebus beginnt bei den Fahrgästen. Junge: „Der Fahrer sitzt noch in der Knautschzone.“ Die Sicherheitssysteme wie der Airbag seien aufeinander abgestimmt. „Das kann aber nur funktionieren, wenn der Fahrer richtig sitzt“, so Junge. „Ich habe meinen Airbag eingebaut“, scherzt ein Fahrer und weist auf seine Leibesfülle – ein wenig Spaß darf sein beim ernsten Thema Fahrsicherheit.

„Vorgeschrieben ist so ein Fahrsicherheitstraining nicht, aber es zahlt sich aus und ist nicht nur gut fürs Image“, sagt Fahrer Christian Schröter. Alle Busfahrer sind nach dem Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz zur regelmäßigen Schulung verpflichtet. „So ein Fahrsicherheitstraining ist dabei ein mögliches Modul“, erläutert Michael Schieferdecker von der SVG. „Wir bieten regelmäßig solche Sicherheitstrainings an. Das wird auch gerne angenommen. Sicherheit steht ganz oben“, sagt Busunternehmerin Silke Möller.

Was moderne Assistenzsysteme zu leisten imstande sind, zeigt der Praxistest auf dem Übungsgelände. Mit durch Wassersprenger beregneten Gummimatten wird eine Schneedecke simuliert. Dabei bewähren sich die elektronisch gesteuerten Bremsassistenten: Auch bei einer Vollbremsung auf unterschiedlich glattem Untergrund bricht der Bus nicht aus, sondern hält die Spur und kommt nach kurzer Zeit zum Stehen. „Als nächstes kommen von Kameras gesteuerte Bildschirme für die Rundumsicht“, sagt Rolf Junge.

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