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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2017 | 23:53 Uhr

Bordesholm : Der Bronze-Löwe ist wieder zu Hause

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Kopie eines bronzenen Löwen, der vor über 460 Jahren in der Bordesholmer Kirche seinen Platz hatte, steht jetzt in Bordesholm.

Bordesholm | Der „Kulturverein Bordesholmer Land“ (KVBL) hat jetzt ein besonderes Exponat in seiner Sammlung: die Kopie eines bronzenen Löwen, der vor über 460 Jahren in der Bordesholmer Kirche seinen Platz hatte. Auf vielen Umwegen ist der echte Bordesholmer Löwe im Laufe der Jahrhunderte nach Amsterdam gelangt, wo er im Reichsmuseum ausgestellt wird. „Im Jahr gehen zwei Millionen Museumsbesucher an dem Löwen aus Bordesholm vorbei“, sagte Wolfgang Bauch, Archäologe und Vorstandsmitglied des KVBL und machte damit die Besonderheit der 40 Kilogramm schweren Skulptur deutlich.

Das niederländische Museum wäre zwar bereit, den Löwen leihweise wieder heimkehren zu lassen, erklärte der Experte weiter, das Hindernis sei allerdings neben des aufwändigen Transports die Versicherungssumme: „Der Versicherungswert lag vor zehn Jahren bei 600 000 Euro. Das kann der KVBL nicht leisten.“ In die Bresche gesprungen ist da die Fielmann Stiftung Hamburg, die für rund 9000 Euro eine Eins-zu-eins-Reproduktion anfertigen ließ. „Ein Restaurator im niederländischen Utrecht durfte das Original in die Hand nehmen und die Kopie herstellen“, sagte Bauch gestern anlässlich der offiziellen Übergabe des Duplikats. „Er sieht absolut aus wie das Original, ich hatte es in Amsterdam in den Händen. Die grünliche Färbung ist eine spezielle Patina des Bildhauers“, stellte der ehemalige stellvertretende Leiter des archäologischen Landesamts fest.

Der Löwe aus der Mitte des 16. Jahrhunderts reißt das Maul auf und hält ein Wappen mit einem Wolf darauf in der Klaue. „Das ist das Pogwisch-Wappen des Ritters Wolfgang Pogwisch. Er ist am 2. Februar 1554 gestorben und wurde in einer Gruft im Mittelgang der Bordesholmer Kirche beigesetzt“, erklärte Wolfgang Bauch. Auffallend ist eine Fläche auf dem Rücken der etwa 60 mal 50 Zentimeter großen Figur. Sie diente als Auflage für die Grabplatte des Ritters, schilderte der Experte: „Die über eine Tonne schwere Grabplatte wurde von vier Löwen aus Bronze getragen, die in den Pranken die Wappen der Pogwisch’ und mit ihnen verwandter Geschlechter trugen.“ Ein Mitglied des Löwenquartetts ist ebenfalls in Amsterdam ausgestellt. Die beiden anderen hat es nach Sankt Petersburg verschlagen: „Die stauben im Lager der Eremitage vor sich hin“, bedauerte Bauch. „Leider ist es keine Beutekunst, wir werden die Löwen nie zurück kriegen“, stellte Wolfgang Bauch klar.

Noch ist der Pogwisch-Löwe nicht öffentlich zu sehen, er wird am 29. Juni zur Eröffnung einer Ausstellung über das Geschlecht der Pogwisch und deren Beziehungen zum Chorherrenstift im „Museum im Gewölbekeller“ seinen würdigen Platz bekommen.

Bis dahin soll auch ein Modell der Grabplatte samt des Löwen-Ensembles in zehnfacher Verkleinerung fertig sein. Ein Minimodell aus Gips und Plastik hatte Wolfgang Bauch bei der Übergabe schon dabei, das kam aus dem 3-D-Drucker.

Die historische Grabplatte hängt an der Wand der Klosterkirche am Lindenplatz. Das benachbarte Museum im Gewölbekeller am Lindenplatz 11 ist Sonnabend und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. 

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