Rollenspieler im Aufwind : Der Boom der Geeks

Neumitglied Nils Ziegeler (von links) spielt unter den Augen von Kevin Witzke mit Tyärk Schettler „Frost Grave“. Maßband und Buch gehören ebenso zum Spiel (Tabletop) wie die aufwendig bemalten Figuren und das selbstgestaltete Spielfeld.
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Neumitglied Nils Ziegeler (von links) spielt unter den Augen von Kevin Witzke mit Tyärk Schettler „Frost Grave“. Maßband und Buch gehören ebenso zum Spiel (Tabletop) wie die aufwendig bemalten Figuren und das selbstgestaltete Spielfeld.

Verein „die Getreuen“ hat großen Zulauf und stellt in Neumünster ein neues Freizeitmodell auf.

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11. Februar 2018, 08:45 Uhr

Neumünster | Pilot Poe Dameron nimmt mit seinem Jäger ein feindliches Schiff ins Visier. Die Würfel von Kevin Witzke sind gefallen und damit steht fest, sein Gegner muss seine Figur vom Spiele-Tisch räumen. Star Wars ist nur eines von unzähligen Spielen beim Verein Soldurii – übersetzt aus dem Lateinischen heißt das „die Getreuen“ – der derzeit einen regelrechten Boom erlebt.

2002 fing Witzkes Frau Martina mit sechs Mitgliedern als Interessenkreis im Wohnzimmer mit Rollenspielen an. Mittlerweile hat der eingetragene Verein, dessen Vorsitz Kevin Witzke hat, über 100 Mitglieder aus ganz Schleswig-Holstein. Tendenz stark steigend. Sie beschäftigen sich neben Rollenspielen und Live-Rollenspielen mit sogenannten Table-Tops, Brettspielen, Modellbau, Kostümbau (Cosplay), Film und Fotografie und dem sogenannten „Dartgewitter“, bei dem mit Spielzeugpistolen geschossen wird. Schon zweimal mussten die Mitglieder umziehen. Im ehemaligen Schlecker-Markt an der Ehndorfer Straße 195 ist nun auf 240 Quadratmetern endlich genug Platz. „Wir haben Neumünster als Standort bewusst gewählt, weil es zentral liegt“, sagt Kevin Witzke.

Er gibt unumwunden zu: „Ja, wir spielen in der Regel Krieg. Da müssen wir gar nicht diskutieren.“ Doch für die Mitglieder stehe die Taktik und der Austausch mit dem Gegenüber im Vordergrund. „Das ist wie Kampfkniffeln oder Schach in anderer Form“. Varianten gibt es viele: Vom Mittelalter über den Ersten und Zweiten Weltkrieg bis hin zu Science-Fiction reichen die Spielszenen. Spieldauer ist von wenigen Stunden bis hin zu einem ganzen Wochenende.

Der Verein setzt dabei klare Grenzen. Politische Ambitionen haben in den Räumen an der Ehndorfer Straße nichts zu suchen. „Wir stellen oft Geschichte nach, aber wir verunglimpfen sie nicht. Wer hier anfängt, ein Konzentrationslager nachzubauen oder verbotene Symbole zu verwenden, fliegt in hohem Bogen raus“, sagt Witzke. Er selbst nennt die Mitglieder Geeks. „Wir sind Freaks, aber mit sozialen Kontakten. Und die stehen auch im Mittelpunkt.“ Das ganze Konzept fußt auf einem in Neumünster neuen Freizeitmodell. Soldurii gibt den Raum, die Figuren und damit die Infrastruktur vor. Sich verabreden und miteinander kommunizieren müssen die Spieler aber selbst. Dafür ist auf der Homepage im Internet ein ausgefeiltes Buchungssystem vorhanden.

Was jetzt vorhanden ist, soll dabei nur das Fundament sein für einen weit größeren Plan sein. „Wir wollen ein Hobbyverein werden, bei dem jeder seiner Freizeitbeschäftigung nachgehen kann. „Ob Origami oder Wettkampfhäkeln ist egal. Wir sind da offen für alles.“

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