Windpark : Der Bauantrag ist gestellt

Hinter der Baumreihe am Grundstücksende werden die Anlagen aufragen, zeigte Anwohner Jürgen Staben mit den Nachbarn Susanne Szekat, Hans-Jürgen Schnack und Jürgen Staben (von links).
Hinter der Baumreihe am Grundstücksende werden die Anlagen aufragen, zeigte Anwohner Jürgen Staben mit den Nachbarn Susanne Szekat, Hans-Jürgen Schnack und Jürgen Staben (von links).

Griesenböteler bangen weiter wegen des geplanten Windparks vor ihrer Haustür. Schreiben an Torsten Albig war ohne Erfolg.

shz.de von
27. November 2013, 07:15 Uhr

Fünf bis sechs 150 Meter hohe Windkraftanlagen sollen auf Gönnebeker Gebiet hinter dem Rendswührener Ortsteil Griesenbötel gebaut werden. Der Abstand zwischen den Häusern und den Windkraftanlagen würde dann gerade einmal 500 Meter betragen (der Courier berichtete). Die Griesenböteler Bürger protestieren, doch Gespräche mit der Kirche, die dort Land besitzt, und ein Schreiben an den Ministerpräsidenten blieben bisher ohne Erfolg. Der Bauantrag für das Projekt ist gestellt.

„Wenn es um Windkraftanlagen geht, fühlen wir uns als Bewohner im ländlichen Raum als Bürger zweiter Klasse und von der Politik im Stich gelassen“, sagen Anwohner aus dem Rendswührener Ortsteil Griesenbötel. In Griesenbötel, das direkt an der Bundesstraße 430 liegt, steht kein gelbes Ortsschild. Die Ansammlung der Wohnhäuser hat jedoch durchaus Siedlungscharakter, meinen auch Rendswührener Ortspolitiker. Damit sollte hier für den Bau von Windkraftanlagen wie in normalen Siedlungsbereichen ein Mindestabstand von 800 Metern gelten. Als Gemeinde hat Rendswühren keinen direkten Einfluss auf das Bauvorhaben in der Nachbargemeinde Gönnebek. „Trotzdem stehen wir als Gemeinde hinter unseren Einwohnern“, meinte Rendswührens Bürgermeister Dr. Thomas Bahr.

Allein die Vermittlung von Gesprächen hat bislang keine Änderung an der Planung gebracht. Bereits ein Schlichtungsversuch am Runden Tisch durch Rendswührens Ehrenbürgermeister Claus Hopp blieb ohne Erfolg. Ein aktuell mit der Kirchengemeinde Bornhöved geführtes Gespräch blieb ohne fruchtbares Ergebnis für die Bürger. Die Kirche hat Land in dem entsprechenden Gebiet und will es für den Windpark zur Verfügung stellen. Die Hoffnung, dass sich die Kirche als Landeigentümer zurückzieht, müssen wir wohl aufgeben, meinten die Griesenböteler. „Wir hätten von der Kirche mehr Unterstützung benachteiligter Menschen erwartet“, sagte Anwohner Hans-Jürgen Schnack.

Selbst auf ein Hilfegesuch an Ministerpräsident Torsten Albig hat es nur eine lapidare und wenig hilfreiche Antwort gegeben, ärgerte sich jetzt Anwohnerin Susanne Szekat. Wohnanlagen im Außenbereich sind hinsichtlich der Schutzansprüche anders einzustufen als Wohnanlagen im Innenbereich von Siedlungen. Daher müssen Nutzungen wie zum Beispiel Landwirtschaft oder Windenergie im Rahmen gesetzlicher Grenzwerte und der gegenseitigen Rücksichtnahme toleriert werden, heißt es in einer Erläuterung im Antwortschreiben. „Kein Wort über die möglicherweise nur bis auf 400 Meter schrumpfenden Mindestabstände, denn verbindliche Zusagen über größere gibt es von den Planern nicht, sondern ein Schlag mit dem kalten Waschlappen ins Gesicht“, bedauern die Anwohner. Eine Eingabe an den Petitionsausschuss des Landes im Mai und ein Gesuch an die Grünen seien bislang sogar ohne Antwort geblieben.

Auch mit dem Rückzug der Gemeinde Gönnebek aus der Beteiligung an der Betreibergesellschaft ändert sich wenig. Wie Bürgermeister Knut Hamann am Mittwoch vergangener Woche in der Gemeindevertretung mitteilte, hat die Kommunalaufsicht eine Beteiligung der Gemeinde gekippt, deren Sicht auch durch ein Urteil vom Oberverwaltungsgericht für einen ähnlichen Fall bestätigt wurde. Allerdings bleibt die Gemeinde als Grundeigentümer im Projekt und hat auch die Bereitstellung von 8,5 Hektar Ausgleichsfläche innerhalb des Planungsgebiets beschlossen. Der Bauantrag für den Bürgerwindpark sei gestellt. Die Sorge der Griesenböteler bleibt indessen, dass ihr Lebensmittelpunkt erheblich beeinträchtigt wird, wenn die Anlagen wie geplant gebaut werden.


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