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Seniorenmagazin : Der Abstand zur Kamera wird größer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Alexandra Mallon wurde eine Ausstellung fotografiert, die ab 13. November im Rathaus-Foyer zu sehen ist.

von
erstellt am 31.Okt.2014 | 17:00 Uhr

Neumünster | Alter kratzt an Schönheit nicht: Unter diesem Motto präsentiert das Seniorenbüro im November eine entsprechende Bilddokumentation. Ich bin eines der Fotomodelle.

Der Fototermin dazu war im Sommer. Leicht gebräunte Haut und ein wenig Make up, um die Apfelwangen zu kaschieren, wurden von der Kamera wohlwollend honoriert. Den Unterschied zwischen neuen und alten Fotos kennt ein jeder, auf letzteren sieht man immer jünger und schöner aus. Mitunter sogar recht kess und verführerisch. Die Kamera konnte nicht nah genug an einen herankommen. Doch mit den Jahren wird der Abstand zur Kamera immer größer, so, als hätte man Angst, die Realität des Älterwerdens später in Farbe zu betrachten, die Vergänglichkeit vor Augen zu haben.

Mag sein, dass diese sichtbare Vergänglichkeit mit dem Glauben an die Macht der Anti-Aging-Produkte gemildert wird. So wie die Falten und Fältchen damit gemildert werden sollen. Mag sein, dass man mit viel guter Pflege und mancherlei kosmetischen Möglichkeiten der äußeren Vergänglichkeit für eine gewisse Zeit ein Schnippchen schlagen kann, der inneren kann man es nicht. Wirklich nicht? Wenn wir nur unseren Körper pflegen, das Herz, den Geist und die Seele aber sträflich vernachlässigen, ist der spürbaren inneren Vergänglichkeit Tür und Tor geöffnet.

„Alter schützt vor Torheit nicht“, den Ausspruch kennt entweder schon jeder, oder man bekommt ihn im Laufe des Lebens immer öfter gesagt. Könnte sein, dass genau darin aber das Geheimnis der ewigen Jugend bis ins hohe Alter hinein liegt. Die Torheit, sich neu zu verlieben, Schmetterlinge im Bauch zu haben, Tandem-Springen zu machen, zu neuen, unbekannten Ufern aufzubrechen, Gemeinsamkeiten zu pflegen, ein Fels in der Brandung für andere sein zu können und dabei niemals zu vergessen, das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen dankbar anzunehmen.

Welcher Lebensweg uns auch immer bestimmt sein mag, unsere biologische Uhr wird irgendwann angehalten, aber wenn wir dem Leben in jeder Phase vertrauensvoll unsere Hand reichen, neugierig bleiben, hören wir ihr Tick-Tack nicht so deutlich.

Alt sein und alt werden ist für mich wie ein offenes Buch mit leeren Seiten, in das ich meine eigene Lebensgeschichte schreiben kann und so die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft für mich lebendig halten kann bis . . .



>Die Fotoausstellung „Alter kratzt an Schönheit nicht“ von der Fotogruppe des Neumünsteraner Seniorenbüros läuft vom 13. November bis zum 4. Dezember im Rathaus-Foyer.

Das ganze Seniorenmagazin gibt es in der heutigen Courier-Ausgabe.


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