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Holsteinischer Courier

24. Oktober 2017 | 04:59 Uhr

Wittorferfeld : Deponie-Erbauer geht in Rente

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hartmut Neiß war vom ersten bis (fast) zum letzten Tag der Mülldeponie Wittorferfeld dabei.

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2014 | 07:30 Uhr

Neumünster | Er hatte zum Schluss den höchsten Arbeitsplatz in Neumünster. Hartmut Neiß hat vor 24 Jahren den ersten Abfall auf die Mülldeponie in Wittorferfeld gefahren und verteilte Anfang September dieses Jahres auf rund 60 Metern Höhe die letzte offizielle Fuhre. Am 31. Dezember hört der fast 70-jährige Deponie-Erbauer aus der Nähe von Friedrichstadt nun endgültig auf.

1970 fing der gelernte Kfz-Mechaniker nach seiner Bundeswehr-Zeit bei Philipp Holzmann als Bauschlosser an und wurde schnell Baumaschinenführer. Als der Baukonzern 2002 pleite ging, wechselte Neiß zum Neumünsteraner Unternehmen Krebs & Suhr, wo er bis zu seiner offiziellen Rente 2010 angestellt war. „Weil ich mich aber so gut mit der Anlage auskenne, fragten die Stadtwerke (SWN) an, ob ich nicht noch ein paar Jahre bei ihnen weitermachen will. Und ich wollte“, erzählt er. Seitdem ist er einmal pro Woche mit dem Bagger auf dem Berg.

Dort war 1991 nur eine Mulde. „Nachdem die Kunststoffabdichtung eingezogen war, kam eine etwa drei Meter dicke Schicht mit gesiebten Müll darauf, als Schutz vor späteren spitzen Gegenständen, die den Kunststoff sonst kaputt gemacht hätten“, erinnert er sich. Von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends schuftete er damals, damit alles pünktlich zur Eröffnung im September 1991 fertig wurde.

Meter um Meter wuchs in den folgenden Jahren die Deponie in die Höhe. Neiß sorgte dafür, dass die Müll-Autos immer Straßen bis zum Abkipp-Ort hatten und verteilte den Unrat. Dabei musste er immer aufpassen, dass die vorgeschriebene Form und der Böschungswinkel stimmten. Jedes Vierteljahr kontrollierten Vermesser seine Arbeit. „Ich hab auch schon mal einen umgekippten Müll-Laster wieder rausgezogen, als der Fahrer sich zu weit zurück gewagt hatte“, erzählt er.

An der Endgestaltung und Endabdichtung, ebenfalls mit Kunststofffolie, Sand und Mergel, ist er nicht mehr beteiligt. Wenn ab kommendem Jahr noch einmal streng kontrolliert Müll abgeladen wird, um eine gleichmäßige Form des Hügels zu erreichen, kümmert sich Hartmut Neiß zuhause schon um seine Frau, seinen Garten und die Brieftauben.

 

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