Neumünster : Deponie-Deckel: Mergel statt Plastik

Pausenlos rollen die schweren Spezialtransporter auf die Deponie, um Mergel und Mutterboden auf die Kuppe zu fahren: Betriebsleiter Wolfgang Bublitz zeigt ein Muster des Mergels, mit dem die Stadtwerke die Deponie provisorisch abdichten wollen.
Pausenlos rollen die schweren Spezialtransporter auf die Deponie, um Mergel und Mutterboden auf die Kuppe zu fahren: Betriebsleiter Wolfgang Bublitz zeigt ein Muster des Mergels, mit dem die Stadtwerke die Deponie provisorisch abdichten wollen.

SWN-Entsorgung will mit provisorischer Abdeckung in Wittorferfeld die Abwasserkosten drücken.

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06. Juli 2018, 07:31 Uhr

Neumünster | Aufmerksame Besucher haben es längst bemerkt: Auf der Deponie Wittorferfeld herrscht wieder reger Betrieb. Fast im Minutentakt kämpfen sich schwere Traktoren und Spezialtransporter (so genannte Dümpler) den Hang zur Deponie hinauf, um ihre schwere Last auf der 56 Meter hohen Kuppe abzuladen: Rund 34 000 Kubikmeter Mergel sollen bis Ende September auf den künstlichen Berg gefahren und dort zu einer 30 Zentimeter dicken Schicht verdichtet werden. Die wasserabweisende Schicht des tonhaltigen Gesteins wird danach von 20 Zentimetern Mutterboden bedeckt.

Die provisorische Abdeckung der Deponie-Kuppe ist Teil eines Kompromisses, mit dem die SWN-Entsorgung und das Landesamt für Landwirtschaft , Umwelt und Ländliche Räume (LLUR) als Aufsichtsbehörde im vergangenen Jahr ihren jahrelangen Streit um die richtige Deponieabdeckung beigelegt haben.

Ursprünglich hatte das LLUR den endgültigen Deponiedeckel bereits für 2015 gefordert. Der SWN-Entsorgung, ein Tochterunternehmen der SWN, ging das viel zu schnell: Weil sich der Müll noch verdichte, der Berg bis zu sieben Zentimeter pro Jahr absenke, sei es zu früh, die Deponie wie vorgesehen mit einer massiven Kunststoff-Folie abzudichten. „Die Folie wäre uns schlicht zerrisen, wir hätten die Deponie für viel Geld wieder öffnen müssen, um die Schäden zu beheben“, sagt Dr. Norbert Bruhn-Lobin, Chef der SWN-Entsorgung.

Erst nach nach langem Hin und Her ließ sich das LLUR auf den Kompromiss ein, für den die SWN-Entsorgung rund 750 000 Euro in die Hand nehmen will. Bruhn Lobin ist dennoch überzeugt, dass sich die Investition in die Zwischenlösung lohnt. Durch die wasserabweisende Mergelschicht dürfte sich die Menge des belasteten Schmutzwassers, das durch die Deponie sickert, erheblich reduzieren. Allein 2017 musste die SWN-Entsorgung für die Abwasserreinigung rund 250 000 Euro aufwenden. Sollte die Rechnung aufgehen, hätte sich die Investition in die provisorische Abdeckung also in drei bis vier Jahren amortisiert, rechnet Bruhn-Lobin vor.

Die SWN-Entsorgung hat jetzt bis 2026 Zeit, die endgültige Abdeckung mit einer massiven Folienschicht einzubauen. Rund 15 Millionen Euro haben die SWN dafür in ihren Rückstellungen reserviert.

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