Kunst am Kleinflecken : Denkanstöße zum urbanen Wandel

„Hochregal“ nennt Kristin Grothe ihre Installation, mit der sie den architektonischen Umbruch in der Innenstadt künstlerisch begleiten will.
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„Hochregal“ nennt Kristin Grothe ihre Installation, mit der sie den architektonischen Umbruch in der Innenstadt künstlerisch begleiten will.

Künstlerin Kristin Grothe setzt den gewaltigen Umbruch in der Innenstadt künstlerisch um.

shz.de von
06. Juni 2014, 17:00 Uhr

Neumünster | Neumünsters Innenstadt erlebt momentan einen gravierenden Wandel. Die halbe Innenstadt liegt in Trümmern, überall wird gerissen und gebuddelt – wie geschaffen für einen künstlerische Begleitung. Die Neumünsteraner Künstlerin Kristin Grothe hat sich ans Werk gemacht.

„Ich möchte ein temporäres Kunstobjekt schaffen, das sich an einem zentralen Platz mit den gravierenden Veränderungen in unserer Stadt auseinandersetzt“, kündigte Grothe jetzt beim Ortstermin auf dem Kleinflecken an. Als Ort ihrer Installation hat sie die Außenfassade des Museums Tuch+Technik gewählt: „Hier am Kleinflecken habe ich den idealen Ort für meine öffentliche Kunst gefunden, denn erstens kommen hier täglich viele Menschen vorbei, und zweitens existiert das „Hochregallager“ bereits seit langem in der vorgesetzten Galeriefassade des Museums“, freut sich Kristin Grothe.

Dieses „Lager“ hat sie nun mit Dingen gefüllt, die sie bei den Abbrucharbeiten auf dem Areal des Einkaufszentrum gesammelt hat: Zu Steinmehl vermahlene Tonziegel, deformierte Metallteile, das übrig gebliebene Holz einer Parkbank und die Reste von Pflanzen und Bäumen.

Säuberlich getrennt lagern die „Abfälle“ nun in gestapelten Drahtkästen vor dem Museum und ziehen die neugierigen Blicke der Passanten auf sich. „Es ging mir bei der Arbeit nicht um das Sammeln und Bewahren von archäologisch wertvollen Dingen wie Fassadendetails oder Säulenresten,“ beschreibt die Künstlerin ihre Arbeit, „vielmehr haben mich die Dinge interessiert, die das kollektive Gedächtnis der Neumünsteraner geprägt haben.“

Auch deshalb hat sie fragmentierte Schriftzüge alter Firmenschilder in ihrem „Hochregallager“ untergebracht. Das Konzept scheint aufzugehen. Immer wieder bleiben Passanten vor den „Erinnerungsstücken“ stehen und erzählen sich kleine Geschichten, die ihnen spontan zu den Schildern und den damit verbundenen Geschäften einfallen.

Kristin Grothes Installation lebt vom Prozesscharakter. Innerhalb von drei Monaten wird das gesamte Alte grundlegend zerstört, gleichzeitig tauchen Relikte im „Hochregallager“ auf, während im Hintergrund bald der Neubau des Einkaufszentrums beginnt.

Diese Art der Auseinandersetzung mit urbaner und gesellschaftliche Veränderung hat Sünne Höhn vom Kulturbüro, Marcus Jankow vom Investor ECE und Astrid Frevert vom Museum Tuch +Technik sofort überzeugt. Nur zu gerne wollen sie Kristin Grothe bei der Umsetzung ihres künstlerischen Projekts unterstützen.
 

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