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Winterdienst : Den Schneepflug immer fest im Blick

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seit 19 Jahren räumt Roland Schmadtke Neumünsters Straßen mit schwerem Gerät. Ab 5 Uhr morgens ist höchste Konzentration gefragt.

von
erstellt am 08.Jan.2016 | 18:24 Uhr

Neumünster | Freitagmorgen, 4.55 Uhr: Auf dem Bauhof an der Niebüller Straße herrscht emsiges Treiben. Dutzende Männer und Frauen in Orange besteigen ihre Fahrzeuge, gelbes Lichtgeflacker erhellt den Platz. Auch Roland Schmadtke (57) öffnet die Tür zu seinem 32-Tonner, schwingt sich in fast zwei Metern Höhe auf seinen Platz hinter dem Steuer und kontrolliert mit routiniertem Griff noch einmal die Hydraulik der tonnenschweren Stahlschaufel vor der Fahrerkabine. Auf geht’s!

Mit schwerem Gebrumm setzt sich der Lkw in Bewegung. Den Weg vor dem Bauhof haben die vor ihm gestarteten Kollegen bereits freigeräumt; erst am Wernershagener Weg greift der Fahrer wieder an das kleine Schaltpult mit den vielen blinkenden Knöpfen neben dem Steuerrad. Noch während das schwere Räumfahrzeug im großen Bogen die Kurve nimmt, senkt sich die mächtige Schaufel auf die Fahrbahn. Man spürt keine Erschütterung, aber der Schnee spritzt jetzt im hohen Bogen an den Fahrbahnrand.

Zehn Zentimeter Schnee sollen in der Nacht in Neumünster gefallen sein, verkündet das Radio. „Die übertreiben wieder“, kommentiert Schmadtke trocken – und er kennt sich aus: Seit 19 Jahren steuert der Wattenbeker im Dienste der Stadt den schweren Schneepflug durch Neumünster, um die Straßen auch bei Eis und Schnee offen zu halten. In seinem Revier – einem von fünf großen Räumbezirken der Stadt – kennt er jede Kurve und jede gefährliche Ecke bei jedem Winterwetter. Dennoch sei keine Fahrt wie die andere: „Man muss sich schon konzentrieren“, räumt der Räumprofi ein und steuert den Pflug im nächsten Augenblick zentimetergenau an einer Reihe Laternenparker vorbei. Ein kleines Positionslicht auf den Schaufelrändern zeigt ihm die Breite seines Fahrzeugs an. Das Tückische: Je nachdem, wie stark er die mächtigen Schaufeln anwinkelt, variiert die Fahrzeugbreite von 2,50 bis 3 Meter.

Auf dem Uker-Platz vor der Schule an der Schwale kann Schmadtke seine volle Räumbreite ausspielen. Die Ehrenrunde vor der Schule ist Pflicht. Neben Ring und Ausfallstraßen genießen auch Schul- und Buswege Priorität beim Räumen. Beim Einscheren auf den Ring wechselt er sofort auf den rechten Fahrstreifen. Weil es alle so machen, braucht der Kollege, der den Ring räumt , nur eine Runde zu drehen, um zwei Fahrspuren vom Schnee zu befreien.

An der Altonaer Straße endet Schmadtkes Ring-Anteil, seine Tour konzentriert sich auf Gadeland und das dortige Gewerbegebiet. Bis zur Oderstraße geht es flott voran. Jetzt bewährt sich clevere Vorsorge: Um am Morgen schneller durchzukommen, haben die Räumprofis am Vorabend eine „Trockenrunde“ gefahren: Dabei wird das Streckennetz noch vor dem ersten Schnee mit einer Salzlauge besprüht. Kehren die Räumfahrzeuge am frühen Morgen zurück, ist der Schnee bereits von unten angetaut und lässt sich leichter beiseite schieben. Die Rechnung geht nicht immer auf, „aber diesmal passt der Wetterbericht“, freut sich Schmadtke: „Wir kommen gut voran!“

An seiner guten Laune ändert sich auch nichts, als er im Gewerbegebiet links und rechts der Oderstraße immer wieder die Salzdosierung nachregeln muss. Die Räumer sind angehalten, so viel wie nötig, aber auch so wenig wie möglich zu streuen. Diesmal reichen meist 2,5 Gramm pro Quadratmeter. Wo die Fahrbahnen blank sind, schaltet Schmadtke die Streuscheibe ab.

Als er nach drei Stunden und rund 80 Straßenkilometern wieder auf den Bauhof rollt, hat er gut drei Tonnen Salz und 1000 Liter Salzlauge verteilt. Als erstes steuert er das Salzlager an und lässt den Laderaum seines Lkw wieder randvoll auffüllen. „Die nächste Tour kommt bestimmt, aber jetzt ist erstmal Frühstück!“

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