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Holsteinischer Courier

13. Dezember 2017 | 22:05 Uhr

Stolpersteine : Den Opfern einen Namen geben

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In Gedenken an die Pogromnacht 1938 führte Stadtführerin Heide Winkler auf den Weg gegen das Vergessen.

shz.de von
erstellt am 17.Nov.2015 | 09:15 Uhr

Neumünster | Zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde am Sonntag eine kostenlose Stadtführung entlang der in der Innenstadt verlegten Stolpersteine angeboten. Zwölf Teilnehmer machten sich schließlich gemeinsam mit der Stadtführerin Heide Winkler vom Großflecken aus auf Weg „gegen das Vergessen“.

Denn die zehn mal zehn Zentimeter messenden Steine, auf denen Messingplatten mit kurz gefassten Daten zur Person angebracht sind, sind – stellvertretend für alle Opfer – Menschen aus Neumünster gewidmet, die während des Nationalsozialismus deportiert, verfolgt und ermordet wurden.

27 solcher Stolpersteine haben mittlerweile in der Stadt ihren Platz an der Stelle erhalten, an denen die Opfer ihre letzte selbst gewählte Wohnstätte hatten. „Dieser Hinweis ‚selbst gewählt‘ ist wichtig, denn die Verfolgten haben oft ihre Wohnung mehrfach gewechselt, um ihren Häschern zu entkommen“, erklärte Heide Winkler.

Doch nicht nur in Neumünster werden Stolpersteine gesetzt. Mittlerweile liegen rund 53 000 Steine in 18 Ländern Europas. „Sozusagen den Anstoß zu dieser Form des Gedenkens hat der Künstler Gunter Demnig 1990 in Köln gegeben, indem er mit den ersten Steinen ermordeter Sinti und Roma gedachte – getreu den Worten aus dem Talmud, wonach ein Mensch erst vergessen ist, wenn sein Name vergessen ist. Demnig gab den Opfern damit ihre Identität zurück und und führte sie aus der Anonymität nackter Zahlen. Heute gelten die Stolpersteine als größtes dezentrales Denkmal in Europa“, berichtete Heide Winkler.

Die Stadtführerin verschwieg auch nicht, dass es kontroverse Diskussionen darüber gebe, die Steine in das Trottoir einzulassen, da die Fußgänger einfach über sie hinweglaufen würden. „Aber andererseits muss derjenige, der lesen möchte, was auf der Platte steht, sich dieser in einer Verbeugung nähern. Und dies ist ja auch eine Geste des Gedenkens“, erklärte Heide Winkler. Auf ihrem Weg erläuterte die Stadtführerin den Teilnehmern zahlreiche weitere Fakten zur Stadt- und Kriegsgeschichte sowie zum Leben der Menschen, deren Namen sich auf den Stolpersteinen finden.

Die Stadt stehe zu dieser Form des Gedenkens und habe erst kürzlich entschieden, fünf weitere Gedenksteine verlegen zu lassen, erklärte Heide Winkler ihren Gästen. Die Stolpersteine sollen am 1. Dezember am Kuhberg gesetzt werden. Und zwar genau an der Stelle, an der einst die jüdische Familie Weißbaum ihr Zuhause hatte.





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