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Demonstration : Demo gegen Abschiebung zweier Kant-Schülerinnen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Per Facebook hatten Mitschüler zum Protest aufgerufen. 50 Teilnehmer schwangen Transparente und riefen “Firengis und Sevil müssen bleiben“.

shz.de von
erstellt am 22.Dez.2016 | 08:30 Uhr

Neumünster | Laute Rufe und viele Transparente gab es gestern am späten Nachmittag im Rathaus-Innenhof: Gut 50 Demonstranten skandierten über eine Stunde lang ihre Botschaften. Die friedliche Demo drehte sich um zwei Schülerinnen der Immanuel-Kant-Schule (IKS). Die aus Aserbaidschan stammenden jungen Frauen sollen abgeschoben werden – und dagegen protestierten Mitschüler, Freunde und auch Lehrer der Schule lautstark mit Transparenten und Rufen.

Seit 2013 sind Firengis Hasanzade (16) und ihre Schwester Sevil (18) in Neumünster. Sie kamen mit ihrer Mutter Sevinj, die in Aserbaidschan vom leiblichen Vater der Mädchen geschieden wurde und in Deutschland zu ihrem neuen Mann zog, ein neues Leben anfangen wollte. Die gelernte Anästhesistin hatte aber Pech: Die Ehe wurde wegen seiner Gewalttätigkeit im Sommer dieses Jahres geschieden. Da bei der Einreise Mutter und Töchter kein Deutsch sprachen, bekamen sie nicht mit, dass sie mit einem nur begrenzten Schengen-Visum einreisten. Seitdem droht ihnen die Abschiebung – in ein Land, in dem sie nicht nur auf eine völlig andere Kultur stoßen würden, sondern auch in Lebensgefahr wären, erzählt Yagmur-Ceylan Kilic (18), eine Freundin der Familie. Denn dass eine Frau ohne männliche Begleitung ausreist, verstößt im religiös konservativen Aserbaidschan gegen die Sitten. „Unsere Familie würde uns zusetzen, per Mail wurden Repressalien angedroht“, erzählt sie.

Viel mehr aber fällt für Mitstreiter der zwei ins Gewicht, wie gut sie die zwei in Neumünster integriert haben. Sie haben im Nu Deutsch gelernt, beide gehen auf die Immanuel-Kant-Schule und streben das Abitur an. Doch beide sind auch traumatisiert, weinen jeden Tag. Der Anwalt der Familie hat ein Eilverfahren eingereicht, um die Abschiebung zu verhindern, außerdem liegt der Fall der Härtefall-Kommission in Kiel vor. Firengis hat bereits vergeblich etwas versucht. Sie brach die Schule ab, fing eine Ausbildung an, was Voraussetzung für eine Duldung wäre. Doch laut Schengen-Visum darf sie nicht arbeiten. Sie kehrte sie auf die Schule zurück.

Gerührt verfolgten die jungen Frauen die Demonstration: „Das hätte ich nicht erwartet.“ Erst am Vorabend war per Facebook der Aufruf verbreitet worden. Rund 50 Menschen hielten Transparente mit Aufschriften wie „Firengis und Sevil müssen bleiben“, „3 Jahre erfolgreiche Integration“ und „Deutschland ist ihre Heimat“, marschierten im Kreis und riefen „Behörde ohne Herz“ und „Hier ist ihre Heimat, hier ist ihre Zukunft“. Die Schülerinnen Mia Wiese (15, 10. Klasse) und Flora Jahn (15, 10. Klasse) waren dabei: „Die drohende Abschiebung war eine Schocknachricht. Sie sind uns allen ans Herz gewachsen, wir protestieren gegen die Ungerechtigkeit des Rechtssystems.“

IKS-Lehrer Olaf Popp war als Privatperson gekommen und reihte sich in die Demo ein: „Es gehört zu unserer Welt dazu, dass sich Immigranten in unsere Welt einfügen und eine Bereicherung für uns sind.“

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