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Vortrag : Demenz – wenn sich Realitäten plötzlich verschieben

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Dr. Renate Richter referierte im Begegnungszentrum Faldera vor 35 Gästen zum Thema Demenz.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2017 | 08:45 Uhr

Neumünster | Das Interesse war groß. Statt der erwarteten 10 bis 15 Besucher konnte Dr. Renate Richter (69) am Dienstagnachmittag 35 Gäste zu ihrem Vortrag „Demenz verstehen“ im Begegnungszentrum Faldera begrüßen.

„Demenzerkrankungen, von denen wir heute 25 Formen kennen, und bei denen Alzheimer den prozentual größten Teil ausmacht, nehmen mit dem Alter zu“, erläuterte die Ärztin im Ruhestand. „Bei den über 90-Jährigen sind 40 Prozent an Alzheimer, einer Durchblutungsstörung im Gehirn, erkrankt“, führte Renate Richter aus. In ihrem Vortrag sollte der medizinischen Aspekt im Hintergrund bleiben. Vielmehr gehe es ihr um das Verständnis für und einen würdigen Umgang mit den Erkrankten, so die Medizinerin.

„In unserer schnelllebigen Gesellschaft, werden Menschen, die sich nicht normal verhalten, abgelehnt. Erhalten Sie sich ein Stück Liebe“, appellierte Richter an die Gäste, von denen sich 20 zu Beginn des Vortrags als privat Betroffene gemeldet hatten.

Demenz lässt sich in drei Stadien einteilen. Die Übergänge sind dabei stets fließend. Die Erkrankung beginnt mit Vergesslichkeit und Orientierungsstörungen in fremder Umgebung. Im mittleren Stadium vergessen Alzheimerpatienten die Namen vertrauter Personen und bringen Gegenwart und Vergangenheit durcheinander. Das schwerste Stadium ist von Inkontinenz, Schluckbeschwerden und Sprachverlust geprägt.

„Gegen Alzheimer gibt es keine Medikamente“, sagte Renate Richter. „Psychopharmaka helfen Depressionen zu lindern, unter denen viele Erkrankte leiden, weil sie sich aufgrund ihrer verminderten Denkfähigkeit sozial zurückziehen“, so die Ärztin.

Renate Richter setzt auf nicht medikamentöse Behandlungsformen. Dazu gehören die Wertschätzung und das Ernstnehmen der Patienten mit all ihren Ängsten und Schuldgefühlen: „Manche Erkrankten verhalten sich wie Kinder. Aber sie sind keine Kinder, sie haben eine lange Geschichte in sich“. Die wichtigsten Bedürfnisse von Menschen mit Demenz sind Liebe, Beschäftigung, Einbeziehung und Trost. Die Grundsätze lauten daher: Würde wahren, Geduld und Humor beweisen sowie gemeinsame Aktivitäten anbieten, bei denen die Erkrankten nicht ständig an ihre Grenzen stoßen. „Reden Sie mit, statt über sie“, sagte Renate Richter. „Demenzkranke haben sehr feine Antennen.“

Auch Angehörige haben Bedürfnisse. Hannelore Harder bietet daher einen „Klönschnack für demenziell Erkrankte und ihre Angehörigen“ im Begegnungszentrum an. Infos: Tel. 2 69 23 13.

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