Zwei Stolpersteine für Stolpe : Dauerhafte Erinnerung an Nazi-Opfer

Die Verlegung der beiden Stolper „Stolpersteine“ durch den Künstler Gunter Demnig (rechts) konnte wegen des frostigen Wetters nur symbolisch erfolgen. Sie soll nachgeholt werden, betonte Bürgermeister Holger Bajorat.
Die Verlegung der beiden Stolper „Stolpersteine“ durch den Künstler Gunter Demnig (rechts) konnte wegen des frostigen Wetters nur symbolisch erfolgen. Sie soll nachgeholt werden, betonte Bürgermeister Holger Bajorat.

Der Künstler Gunter Demnig brachte zwei „Stolpersteine“ für die ermordeten Brüder Richard und Johannes Wehde nach Stolpe. Verlegt werden sie bei besserem Wetter.

shz.de von
02. März 2018, 08:00 Uhr

Stolpe | Sie sollen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern: An der Ecke Wiesenweg/Wankendorfer Straße verlegte der Künstler Gunter Demnig gestern in Stolpe symbolisch zwei sogenannte „Stolpersteine“.

Bei Arbeiten an der Dorfchronik war die Stolperin Theresia Künstler auf die traurige Geschichte der Brüder Richard und Johannes Wehde gestoßen. Sie waren die beiden älteren Söhne des damaligen Leiters des Stolper Altersheims, Johannes Wehde, der diese Einrichtung von 1930 bis 1944 leitete. Die beiden psychisch kranken Brüder kamen in die Landesheilanstalt Neustadt und wurden am 9. Juli 1941 von den Nationalsozialisten in der Tötungsanstalt Bernburg (Sachsen-Anhalt) im Rahmen der sogenannten T4-Aktion ermordet.

Der Künstler Gunter Demnig hat seit dem Jahr 2000 bereits rund 50 000 „Stolpersteine“ vor allem in Deutschland, aber auch in anderen Ländern Europas und zuletzt in Südamerika verlegt, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert Demnig aus dem Talmud, einer der wichtigsten Schriften des Judentums. Die Gemeinde Stolpe hat im April 2017 beschlossen, den beiden Euthanasie-Opfern der NS-Zeit mit der Verlegung zweier Stolpersteine am Ort ihres letzten frei gewählten Wohnsitzes zu gedenken. Die Verlegung blieb aus Witterungsgründen gestern symbolisch. Wegen des Frosts waren bereits zwei weitere Steine in Kellinghusen nicht verlegt worden, erklärte Demnig. Eingelassen würden die Steine, wenn es wieder wärmer wird, sagte Bürgermeister Holger Bajorat.

„Die beiden Stolper Steine sind eine sinnvolle Erinnerung an die Schicksale vergangener Zeiten“, sagte er. Nicht festhalten an der Vergangenheit, aber auch nicht die Schicksale der Menschen in Vergessenheit geraten lassen – das sei die 250 Euro für die „Stolpersteine“ allemal wert.

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