Lkw-Maut : „Das wird Jobs und Existenzen kosten“

Für diese Lkw-Klasse zwischen 7,5 und 12 Tonnen werden ab Oktober Mautzahlungen fällig.
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Für diese Lkw-Klasse zwischen 7,5 und 12 Tonnen werden ab Oktober Mautzahlungen fällig.

Ab Oktober müssen Spediteure auch für kleinere Laster zwischen 7,5 und 12 Tonnen die Maut bezahlen. Transporte dürften teurer werden

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14. Juli 2015, 12:00 Uhr

Neumünster | Während Autofahrer beim Stichwort Pkw-Maut noch auf ein Veto aus Brüssel hoffen können, ist eine andere Mautreform schon durch: Ab Oktober werden auch kleinere Laster zwischen 7,5 und 12 Tonnen mautpflichtig. Das trifft die Wirtschaft und mittelbar auch den Verbraucher, denn viele Transporte dürften teurer werden. „Das wird Jobs und Existenzen kosten“, fürchtet Bernd Muntowski, der Chef der Sprint Transportgesellschaft an der Leinestraße.

Die Firma ist viel mit den bislang mautfreien Lkw unter 12 Tonnen unterwegs. Allein die Kosten der Nachrüstung zur elektronischen Erfassung der Maut (mit den sogenannten Onboard Units) schätzt er auf 300 Euro je Fahrzeug. Für seine großen Lkw zahlt Sprint bereits etwa 150    000 Euro Maut im Jahr; künftig kommen nochmal gut 6000 Euro drauf. Die Ausweitung der mautpflichtigen Straßenabschnitte auf weitere gut 1000 Kilometer Straße ist da noch gar nicht enthalten.

„Jeder Cent Mehrkosten zwingt uns, an anderer Stelle einzusparen“, sagt Muntowski. Aufgrund der knappen Zeit sei das Transportgewerbe gezwungen, die Autobahn zu nutzen. Muntowski ist skeptisch, ob er gestiegene Kosten auf Geschäftskunden umlegen kann. Und ihn nervt der schlechte Zustand der Autobahnen. „Wir fragen uns, wofür wir eigentlich die Maut zahlen“, sagt er.

Das sieht auch Dr. Thomas Rackow so, Geschäftsführer diverser Verbände der Speditionsbranche und des Güterkraftverkehrs in Schleswig-Holstein. Sitz ist das Haus der Logistik am Ilsahl. Die Speditionen hätten schon schwer unter der osteuropäischen Konkurrenz zu leiden. Das zwinge zu Spezialisierung und zum Ausweichen auf kürzere Strecken und Bundesstraßen. „Die Maut trifft uns daher jetzt hart“, sagt Rackow und fordert mehr Mautgerechtigkeit: „Man sollte keine Klasse ausnehmen. Wenn Maut, dann vom kleinen Fiat Cinquecento bis zum großen 120-Tonnen-Schwerlasttransporter.“ Mit Blick auf die diskutierte Pkw-Maut wäre das nur korrekt. Rackow: „Wenn wir die Garantie hätten, dass das Geld in den Bau und die Unterhaltung von Straßen fließt, ist die Maut in Ordnung.“ Die Ausnahmen für die kleineren Fahrzeuge der Handwerker kann Rackow nicht verstehen. Transporter zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen fahren auch nach dem 1. Oktober mautfrei, und hier sind die meisten Handwerkerfahrzeuge wie Sprinter angesiedelt.

„Das Thema wird im Handwerk diskutiert“, sagt Andreas Katschke, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck. Bei Gespannen mit Anhängern gerate schnell auch mal ein Handwerker über 7,5 Tonnen und werde dann mautpflichtig. Was das für den einzelnen Betrieb bedeute, müsse sich zeigen. Einen Einbau der „Onboard Units“ nennt Katschke „unverhältnismäßig, aber da sind wir politisch nicht durchgedrungen“. Dackdeckermeister Maik Kraushaar aus Tungendorf ist sich aber sicher: „Wir bleiben unter der kritischen Marke von 7,5 Tonnen.“ Keine Probleme auf sich und die Kunden zukommen sieht Matthias Koesling, der Filialleiter beim Autovermieter Europcar an der Kieler Straße. „Wir haben nur Lieferwagen bis maximal 7,49 Tonnen, die auch mit der alten Führerscheinklasse 3 zu fahren sind“, sagt Koesling. Zwölf-Tonner-Lkw seien nur an bestimmten Europcar-Stationen erhältlich.

Unberührt von der Mautnovelle sind dagegen die Petersen-Gruppe in Wasbek und Voigt-Logistik. „Wir setzen schwere Lkw ein und zahlen dafür schon lange die Maut“, sagt Jörg Braatz, Geschäftsführer Transport bei Voigt. Ähnlich heißt es von Olaf Petersen: „Wir sind im Fernverkehr mit 40-Tonnern unterwegs.“ 

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