Schultheaterfestival : Das Watt als Bühne von Leben und Tod

Beeindruckende Inszenierung: Die Dorfbewohner betrauern den Tod ihres Deichgrafen Tede Volkerts (Tyko Hansteen). Dessen Tochter Elke (vorne, Lousia Schulz) ringt mit ihrem Schicksal in der Verantwortung als Erbin.
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Beeindruckende Inszenierung: Die Dorfbewohner betrauern den Tod ihres Deichgrafen Tede Volkerts (Tyko Hansteen). Dessen Tochter Elke (vorne, Lousia Schulz) ringt mit ihrem Schicksal in der Verantwortung als Erbin.

Der Jugendtheaterclub inszenierte Theodor Storms „Der Schimmelreiter“ im Theater in der Stadthalle. 150 Besucher waren begeistert.

shz.de von
14. Juni 2017, 09:00 Uhr

Neumünster | Diese jungen Menschen brennen für die Bühne – das war nicht zu übersehen: Am Montagabend feierte der Jugendtheaterclub im Rahmen des Schultheaterfestivals seine Premiere von Storms „Schimmelreiter“ und begeisterte die 150 Besucher mit großen darstellerischen Leistungen und einem auf das Wesentliche reduzierten Bühnenbild.

Tatkraft gegen Trägheit, Moderne gegen Beharrungsvermögen, Aufklärung gegen Aberglaube – im „Schimmelreiter“ zeichnet Theodor Storm einen Helden, der an die Überlegenheit des Fortschritts glaubt, der das Gute will und das Böse schafft und letztendlich an seinem Ehrgeiz scheitert – das Watt als Bühne von Leben und Tod. „Kein einfacher Stoff, nicht für Profis und erst recht nicht für jugendliche Laiendarsteller“, wie Sünne Höhn meinte. Die Theaterexpertin des Kulturbüros begleitet den Jugendtheaterclub seit dessen Gründung vor sechs Jahren. „Ernsthaftigkeit und Spielfreude machen das Engagement dieser jungen Theater-Enthusiasten aus“, sagte sie.

Dass die jungen Leute die Bühnenfassung von John Düffel noch einmal eigenständig bearbeitet haben, beweist nach Einschätzung von Sünne Höhn ihre intensive Auseinandersetzung mit der Novelle. „Teamgeist steht bei uns an erster Stelle“, sagte auch Regisseur Maximilian Kornprobst über die Arbeit der 13 Mitglieder zwischen 15 und 22 Jahren. Auch Kornprobst ist von Anfang an dabei. Alles werde gemeinsam entschieden – von der Auswahl des Stücks über die Besetzung bis hin zu Details in der Inszenierung.

Während der Premiere am Montagabend war dieser Anspruch hautnah zu erleben. Neben den großartig besetzten Hauptrollen (Jessica Harich als tragischer Held Hauke Haien, Louisa Schulz als dessen Frau Elke und Johanna Wienholz als Iven Johns) blieben für Daniel Lemke als geisterhafte Trin Jans, für Birte Rinck als verprellter Deichgraf-Anwärter Ole Peters und für Sonja David als debiles Kind Wienke Haien ausreichend Raum, um ihr darstellerisches Können unter Beweis zu stellen.

Das beeindruckende Bühnenbild nach einer Idee von Ralf Hiller und Tylo Hansteen, die schlichten Kostüme von Sonja David und die fantasievolle Schimmel-Animation von Jessica Harich unterstrichen die dramatischen Ereignisse auf der Bühne. Nicht nur einmal lief den Besuchern im Theatersaal ein Schauer über den Rücken.

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