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Holsteinischer Courier

19. Oktober 2017 | 08:22 Uhr

Bundestagswahl : Das Viertel der Nichtwähler

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In der Vicelinschule gab nur gut jeder dritte Wahlberechtigte seine Stimme ab

von
erstellt am 24.Sep.2013 | 12:00 Uhr

Politiker aller Parteien begrüßten den Anstieg der Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl. Auch in Neumünster war sie am Sonntag ganz leicht von 65,38 auf 65,40 Prozent gestiegen.Im Vicelinviertel war davon wenig zu spüren: Neumünsters sozialer Brennpunkt ist und bleibt ein Quartier der Nicht-Wähler. Gerade einmal 37,8 Prozent der Wähler gaben in der Vicelinschule ihre Stimme ab.

2125 Wahlberechtigte leben in Neumünsters zweitgrößtem Wahlbezirk 12, der große Teile des Vicelinviertels zwischen Kieler, Christian- und Bismarckstraße umspannt und im Norden mit der Gutenberg-, Rosen- und Wichernstraße noch ein wenig darüber hinaus reicht. Zur Wahl gingen aber nur 803. Das ist nur wenig besser als die Quote von 36,7 Prozent bei der Bundestagswahl 2009. Den absoluten Höhepunkt hatte die Wahl-Verweigerung mit einer Teilnahme von gerade einmal 18,2 Prozent bei der Kommunalwahl im Mai dieses Jahres erreicht.

Wo wenige wählen gehen, fallen die Stimmen stärker ins Gewicht. Mit 31 Stimmen und 3,9 Prozent ist dieser Bezirk die Hochburg der NPD in Neumünster und im gesamten Wahlkreis (siehe Artikel unten). Auch die Linke (9,7 Prozent), die Grünen (9,4 Prozent) und die SPD (40,3 Prozent) stehen hier im Gesamtergebnis – relativ – besser da. An das „Ergebnis“ der Nichtwähler von 63,3 Prozent reichen sie aber alle nicht heran.

Doch warum ist das so? „Es leben viele sozial Schwache im Viertel. Ihnen ist nicht bewusst, was die Wahl für sie bedeutet“, sagt der CDU-Ratsherr Refik Mor und bringt es auf die Formel: „Niedrige Bildung, keine Arbeit und das Gefühl: ‚Ich kann sowieso nichts ändern‘“. Sami Inci, grüner Vorsitzender des Sozialausschusses, sieht das ähnlich. Die schwache Wahlbeteiligung überrascht ihn nicht: „Hier leben viele sozial Benachteiligte, die von den etablierten Parteien enttäuscht sind. Hier muss viel Bildungsarbeit geleistet werden.“

Das Vicelinviertel ist trotz des Status’ als Fördergebiet, trotz eines Quartiermanagements und der neuen Stadtteilschule von hoher sozialer Belastung geprägt. Die Arbeitslosigkeit ist doppelt so hoch wie sonst, der Ausländeranteil mit über 16 Prozent noch größer. Gut 40 Prozent der Bewohner leben von staatlichen Hilfen wie Hartz IV. Die Daten entstammen dem Sozialbericht der Stadt. Das Quartiermanagement nennt auch „Bildungsdefizite gepaart mit mangelnden Sozialkompetenzen“ bei Jugendlichen und eine „fortschreitende Verwahrlosung des Wohnungsbestandes“.

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