Kommunalwahl in Neumünster : Das Vicelinviertel ist der Wahlkreis der Nichtwähler

Glückwünsche am Wahlabend: Gerd Kühl (Mitte) und OB Olaf Tauras gratulieren Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger.
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Glückwünsche am Wahlabend: Gerd Kühl (Mitte) und OB Olaf Tauras gratulieren Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger.

Eine Analyse des Wahlergebnisses zeigt, wo die Hochburgen der Parteien liegen. Fast hätte die CDU ein Überhangmandat geholt.

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08. Mai 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Kaum etwas zeigt den Absturz der SPD bei der Kommunalwahl so deutlich wie der Verlust von fünf der bisher elf Direktmandate. Fast hätte die Union sogar ein Überhangmandat erzielt, also mehr Direktsitze, als ihr nach dem Verhältniswahlrecht zustehen.

Doch da Thomas Michaelis mit dem denkbar knappen Rückstand von einer Stimme im Wahlkreis 16 Franka Dannheiser (SPD) den Vortritt lassen musste, bleibt Neumünster diese Premiere mit Überhang- und Ausgleichsmandaten erspart. CDU-Fraktionschef Gerd Kühl hatte noch am Wahlabend eine Nachzählung gefordert. Dem erteilt der stellvertretende Gemeindewahlleiter Volker Bernaschek eine Absage: „Nur weil das Ergebnis knapp ist, wird nicht nachgezählt.“

Die SPD konnte vor allem in Faldera, der Böcklersiedlung und Ruthenberg punkten, wo Frank Matthiesen mit 35,7 Prozent das beste Ergebnis für die Genossen erzielte. Das SPD-Waterloo gab es mit 14,7 Prozent für Axel Westphal im Wahlkreis 1 (Einfeld), der einige weitere Besonderheiten zeigt. Hier holten auch die FDP mit 3,5 Prozent und die NPD mit 2 Prozent ihre schwächsten Ergebnisse. Einfeld ist die Hochburg der Grünen. Sven Radestock sorgte mit 38,4 Prozent für eine Sensation. Auch im Einfelder Wahlkreis 2 erzielten die Grünen mit 22,4 Prozent ein Top-Ergebnis.

Das gelang CDU-Frau Sabine Krebs im Wittorfer Wahlkreis 13. Ihre 44,2 Prozent sind zugleich das beste Ergebnis aller Direktwahlkandidaten. Auch die Gartenstadt, Brachenfeld und Gadeland erwiesen sich wieder einmal als CDU-Hochburgen. Dass die Christdemokraten das einstmals „rote“ Tungendorf diesmal komplett den Sozialdemokraten abnahmen, ist nach den Ergebnissen der vergangenen Wahlen keine ganz große Überraschung mehr.

Am schwächsten schnitt die CDU mit 26,9 Prozent im Wahlkreis 19 in der Böcklersiedlung ab. Hier erzielten die Grünen mit 9,6 Prozent ihr einziges einstelliges Wahlergebnis. Das Bündnis für Bürger holte hier mit 19,2 Prozent seinen Spitzenwert, in der Gartenstadt (Wahlkreis 21) mit 2,6 Prozent das schlechteste. Die Freien Demokraten waren mit 9,7 Prozent im Gadelander Wahlkreis 12 am stärksten.

Ein Wahlkreis der Extreme war erneut das Vicelinviertel. Hier im Wahlkreis 6 machte mit 18,9 Prozent nicht einmal jeder Fünfte von seinem Wahlrecht Gebrauch – was die mit 35,1 Prozent auf einen Tiefpunkt gesunkene Wahlbeteiligung in Neumünster noch einmal deutlich unterbot. CDU und SPD kamen hier beide nicht über 30 Prozent. Die geringe Wahlbeteiligung spielte dagegen den kleinen Parteien in die Karten. Sowohl die Linke mit 9 Prozent als auch Neuling Liberal Konservative Reformer und die NPD (beide 7,1 Prozent) schnitten hier am besten ab.

Die Sitzordnung in der neuen Ratsversammlung wird im Ältestenrat vor der konstituierenden Sitzung am 12. Juni festgelegt. Was der Einzug von acht Parteien (sieben davon mit Fraktionsstatus) für die Ausschussarbeit und die Stadtteilbeiräte bedeutet, ist noch offen.

Die ständigen Ratsausschüsse haben elf Mitglieder, davon stehen nach dem Wahlergebnis vier der CDU, drei der SPD und zwei den Grünen zu. „Der Rest muss gelost werden. Das wird kompliziert“, sagte Holger Krüger von der Zentralen Verwaltung.

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