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Bürgerentscheid Grossflecken : Das Rennen bleibt spannend

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

200 Bürger stritten in der Stadthalle über Für und Wider der Durchfahrsperre. Eine klare Mehrheit gab es nicht.

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erstellt am 16.Mai.2014 | 05:00 Uhr

Neumünster | Am Anfang stand ein Versprechen des Oberbürgermeisters: „Wir werden sorgfältig und neutral informieren und den Bürgerentscheid bestmöglich umsetzen, wie immer er auch ausgeht!“ Nötig war diese Besänftigung eigentlich nicht. Angesichts der emotionsgeladenen Debatte um die Durchfahrsperre für den Großflecken in den vergangenen Wochen verlief die einzige Bürgeranhörung zum Thema am Mittwochabend in der Stadthalle erstaunlich sachlich.

Rund 200 Bürger, Anlieger, Einzelhändler und Ratsvertreter nutzten die Gelegenheit, zehn Tage vor dem Bürgerentscheid am 25. Mai für ihre Position zu werben. Klare Mehrheiten in der Halle waren dabei allerdings bis zum Schluss nicht auszumachen.

Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras unterstrich noch einmal, dass die Sperrung nur den Durchgangs-, nicht den Zielverkehr auf dem Großflecken betreffe. Stadtplaner Bernd Heilmann erklärte, dass der Verkehr über den Großflecken auf jeden Fall neu geregelt werden müsse – mit oder ohne Durchfahrsperre: „Der Beschluss für das Einkaufszentrum zwingt uns zum Handeln“, unterstrich Heilmann. Soll heißen: Lehnt die Mehrheit der Bürger die Sperrung ab, wird die Stadt über neue Ampelschaltungen (voraussichtlich) an den Zugängen Gänsemarkt und Rathaus versuchen, den Verkehrsfluss über den Großflecken zu drosseln. Daran ist sie gebunden. Wie restriktiv sie das umsetzt, liegt dagegen in den Händen der Ratsversammlung, wie Heilmann einräumte. Mehrere Zuhörer sahen darin einen Widerspruch: Also ist die Stadt doch nicht zur Drosselung der Verkehrs gezwungen?

Ein Experte des Hamburger Planungsbüros Dorsch Consult stellte Eckdaten zum Verkehrsversuch im vergangenen Sommer vor, und versuchte dabei vor allem, die unseligen Wechselwirkungen von Verkehrsversuch und den zeitgleich laufenden Baustellen etwa an Boostedter und Altonaer Straße auseinander zu halten. Sein Fazit: Die deutlich verlängerten Fahrzeiten auf dem Ring seien in erster Linie auf die Baustellen, nur zum kleineren Teil auf den gesperrten Großflecken zurückzuführen. Er widersprach auch der These, dass mit dem Start des Verkehrsversuchs weniger Kunden die Innenstadt aufgesucht hätten: Die Parkplätze in der Stadt seien während des Verkehrsversuchs ähnlich gut wie vor dem Verkehrsversuch ausgelastet gewesen.

Den Gegenpart gab Monika Dürrer vom Einzelhandelsverband Kiel. Sie referierte Daten aus wiederholten Umfragen, die der Verband unter den Geschäften erhoben hatte. 75 Prozent der Geschäftsleute hätten danach in der Schlussphase des abgebrochenen Verkehrsversuchs über „weniger Umsatz“, 25 Prozent gar über „deutlich weniger“ Umsatz geklagt. Fast 90 Prozent der Geschäftsleute lehnten eine dauerhafte Sperrung ab, sagte Dürrer. Erst auf Nachfrage von Ratsherr Bernd Delfs räumte die Verbandsvertreterin allerdings ein, dass sich ihre Daten teils nur auf eine Handvoll Unternehmen stützten. Dafür kassierte sie empörtes Raunen aus dem Saal.

Wie weit Gegner und Befürworter der Durchfahrsperre tatsächlich auseinanderliegen, wurde in der Politikerrunde deutlich: Solange es auf dem Großflecken Dauerstaus gebe, könne sich keine Aufenthaltsqualität entwickeln, erklärte Axel Westphal (SPD). Es gelte, den Durchfahrverkehr vom Großflecken zu verbannen. Hauke Hahn (CDU) konterte postwendend: Umsatzrückgänge würden unweigerlich zu Geschäftsaufgaben führen. Da nütze dann auch keine Verkehrsberuhigung.

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