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Droht Radiologen-Mangel? : Das Radiologie-Zentrum schließt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In der Praxis an der Rendsburger Straße ist Ende April Schluss. Patienten befürchten Engpässe. Radiologische Praxis am FEK will Versorgung sichern.

von
erstellt am 09.Apr.2014 | 05:00 Uhr

Neumünster | Der Zettel an der Eingangstür des Medizinischen Versorgungszentrums für Bilddiagnostik an der Rendsburger Straße 2-8 ist eindeutig: „Liebe Patienten, da unsere Praxis am 30. April 2014 geschlossen wird, können wir leider keine Termine mehr vergeben“, heißt es dort. Damit scheint das Aus der Praxis, die erst im Herbst 2011 vom Radiologie- und Diagnostikverbund der Hanserad-Gruppe aus Hamburg eröffnet und mit modernen Geräten ausgestattet wurde, vorerst besiegelt. Allerdings wird im Hintergrund offenbar um den Standort weiter verhandelt. Denn ohne das Radiologiezentrum, in dem einst nach 30 Jahren die Praxis von Dr. Walter Bisping am Kuhberg aufging, gibt es nur noch eine radiologische Praxis in Neumünster – und zwar die am Friedrich-Ebert-Krankenhaus von Dr. Peter Dose und Kollegen.

Die erste Hiobsbotschaft für das Zentrum an der Rendsburger Straße kam bereits ein gutes Jahr nach der Eröffnung. Damals musste die Hanserad einen Insolvenzantrag stellen. Betroffen war auch der hiesige Standort, auch wenn ihm gleich vom Insolvenzverwalter bescheinigt wurde, dass die Praxis in Neumünster gut ausgelastet sei und hervorragende Arbeit leiste (der Courier berichtete). Im Januar 2014 gab es dann endlich Licht im Tunnel, als das Heidelberger Radiologie-Management-Unternehmen Curagita die Hanserad übernahm. Doch schon wenig später erhielten die drei Ärzte, die drei medizinisch-technischen Radiologie-Assistentinnen und drei Arzthelferinnen ihre Kündigungen zu Ende April. Schon damals wurde im Hintergrund weiter verhandelt. Der damalige kommissarische Leiter und Facharzt für Radiologie, Gerhard Marioth, der mittlerweile für die Radiologische Praxis am FEK tätig ist, erklärte noch im Februar: „Das Problem liegt in der Budgetierung durch die Kassenärztliche Vereinigung. Wir haben so viele Patienten, dass wir permanent unser Kontingent überschreiten.“ Gerade die teure Technik mache die Arbeit leicht zu einem Verlustgeschäft. „Das Budget ist so knapp bemessen, dass mehr als die Hälfte unserer Kassenpatienten zusätzliche Kosten verursachen“, sagte der Facharzt damals.

Gestern mochten die Mediziner, die noch in der Praxis verblieben sind, keine Stellungnahme abgeben. Die Curagita bestätigte jedoch das Aus zum Ende des Monats und sprach von weiteren Verhandlungen um den Standorterhalt. Die Patienten waren über die Nachricht von der Schließung entsetzt. „Ich kann das nicht verstehen. Das Wartezimmer ist immer voll. Ich habe keine Lust ständig auf Termine zu warten oder nach Kiel oder Hamburg zu fahren“, sagte eine Patientin, als sie vor dem Aushang stand.

Ein erhöhter Ansturm ist in der Radiologischen Praxis am FEK bereits spürbar. „Wir haben deshalb auf vier Fachärzte erweitert“, erklärte Dr. Peter Dose. „Wir wollen die radiologische Versorgung in Neumünster sicherstellen und arbeiten daran. Wie das räumlich aussehen wird, ist aber noch unklar“, erklärte der Radiologe auf Nachfrage.

 

Kommentar: Patienten und Ärzte zahlen die Zeche

Die Rechnung geht vorne und hinten nicht auf:  Da macht eine Praxis beste Arbeit, doch das Budget langt  einfach nicht.   Der Kassenpatient wirft     halt zu wenig ab.  Für diesen Fehler im  System können weder die Ärzte noch die Patienten etwas. Doch leider zahlen sie die Zeche – die Mediziner und ihr Fachpersonal  mit ihren Arbeitsplätzen und die Patienten mit langen Wartezeiten oder weiten Wegen, falls sie in andere  Städte ausweichen müssen. Bleibt nur zu hoffen, dass der letzten verbleibenden Facharzt-Praxis wenigstens keine Steine in den Weg gelegt werden, wenn sie versucht, die Lücke zu füllen.

 

 

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