Ehndorf : „Das Publikum trug ihn zum Sieg“

Gänsehaut-Moment für Daniel Schulz: Mit dem Ausnahmepferd Spuni siegte er bei der Deutschen Islandpferdemeisterschaft im nordhessischen Kaufungen.
Gänsehaut-Moment für Daniel Schulz: Mit dem Ausnahmepferd Spuni siegte er bei der Deutschen Islandpferdemeisterschaft im nordhessischen Kaufungen.

Der Ehndorfer Daniel Schulz holt mit Spuni vom Heesberg Gold, obwohl das Islandpferd bei einem Unfall die Zunge verloren hat.

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25. Juli 2018, 07:30 Uhr

Ehndorf | Ehndorf 625 Einwohner hat Ehndorf, 300 Islandpferde und einen Deutschen Meister: Daniel Schulz holte am Sonntag Gold bei der Deutschen Islandpferdemeisterschaft im nordhessischen Kaufungen. Dass der Ehndorfer mit Spuni vom Heesberg die Traumnote 8,7 erreichte, ist ein Wunder: Das Ausnahmepferd war im April schwer verletzt worden und hat jetzt keine Zunge mehr. Doch die schwarze Schönheit mit eigener Facebookseite kämpfte sich zurück.

„Black & Decker“ – den Viertakt der Islandpferde hört man überall in Ehndorf. Eine Gruppe reitet am Hof von Ina und Daniel Schulz vorbei. Die Kinder winken fröhlich und rufen „Herzlichen Glückwunsch!“ Alle wissen, dass Daniel Schulz und Spuni etwas ganz Außergewöhnliches gelungen ist. Nur die fünf besten Reiter aus Deutschland waren eingeladen worden, um am Sonntag in der Futurity-Tölt-Klasse, der Kategorie für die Nachwuchspferde, anzutreten. Schulz und der fünfjährige Spuni waren zuletzt dran, und gerade zuvor hatte ein Paar die höchste jemals vergebene Note erreicht: 8,5. „Ich war total nervös“, berichtet Daniel Schulz. Schon im freien Training hatten sich die etwa 3000 Zuschauer sehr für Spuni begeistert, und bei der Prüfung mussten sie sogar ermahnt werden, dass es sich nicht um eine Publikumswertung handele. Doch die Wertungsrichter fanden die Leistung auch außergewöhnlich und vergaben 8,7 Punkte – die höchste Punktzahl, die es jemals in Deutschland für ein Island-Nachwuchspferd gegeben hat. „Das Publikum hat ihn zum Sieg getragen“, sagt Daniel Schulz und strahlt. Spuni ist ihn Ehndorf geboren. Daniel Schulz ist der Züchter, Besitzer, Bereiter und hat jetzt mit diesem Pferd selbst Gold geholt: Mehr geht nicht.

Schon dem Fohlen hatte Schulz die Starqualitäten angesehen. Im April zeigte der fünfjährige Hengst mit einem Stockmaß von 1,47 Metern gleich eine Jahresbestleistung. Beste Voraussetzungen für eine Karriere. Doch nur eine Woche später passierte das Unglück: Ein anderer Hengst drang in Spunis Box ein und biss ihm die Zunge ab. Eine bange Zeit für Daniel Schulz und seine Familie. Aus der Tierklinik gab es schnell Entwarnung: Spuni sei so klug, dass er auch ohne Zunge schon wieder fresse und trinke. „Das ist ein Wunder“, bricht es aus Daniel Schulz heraus. Er bekam den Rat, Spuni schnell wieder zu reiten. Ohne Zunge muss eine gebisslose Zäumung angelegt werden, eine Hackamore. Das fordert dem Reiter mehr Einfühlungsvermögen und Können ab, gerade bei einem Hengst in der Pubertät wie Spuni. Schon acht Wochen nach dem Unfall war der Star zurück: In der Lüneburger Heide stellte er klar, wer auf Platz 1 im deutschen Ranking gehört. Im Herbst soll er dann bei den erwachsenen Pferden antreten und eventuell auch 2019 in Berlin bei der Weltmeisterschaft der Islandpferde.

Nach dem deutschen Meistertitel darf Spuni jetzt erstmal für Nachwuchs sorgen – Anfragen gibt es genug und auch schon Kaufangebote. Doch Daniel Schulz gibt seinen Spuni vom Heesberg für kein Geld der Welt her.

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