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Hundeführerschein-Pflicht : Das Problem am anderen Ende der Hundeleine

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Diskussion im Landtag: Soll der Hundeführerschein Pflicht für alle werden? Fachleute aus Neumünster äußern sich durchweg positiv

Ein Gesetzentwurf im Kieler Landtag sieht vor, die Liste der „gefährlichen Hunderassen“ zu streichen und stattdessen den so genannten Hundeführerschein zur Pflicht zu machen. Was sagen dazu Hundefachleute aus Neumünster?

„Ich finde das richtig. Wer sich einen Hund anschafft, übernimmt Verantwortung. Aber viele Menschen wissen einfach zu wenig über das Tier“, sagt Michael Ratcliff vom Polizeihundverein. Er ist erfahrener Hundehalter, Ausbilder und schult seit Jahren Kinder und Erwachsene im richtigen Umgang mit dem Hund. Ratcliff geht es nicht nur um die so genannten Kampfhund-Rassen, die auf der Liste stehen. „Auch ein Dackel und ein lieber Golden Retriever hat Zähne und kann mal schnappen“, sagt Ratcliff. Er nimmt auch den Hundeführerschein des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH) ab; der ist deutschlandweit einheitlich. Er besteht aus zehn Doppelstunden Theorie und Praxis samt Prüfung und kostet gut 100 Euro.

Ähnlich reagiert Kai Dießner vom Gebrauchshundesportverein Tungendorf. „Vielen Hundehaltern täte es gut, sich intensiver mit ihrem Hund zu beschäftigen und ihn zu verstehen. Viele lassen ihn viel zu weit frei laufen. Das kann andere Menschen und andere Hunde verängstigen“, sagt Dießner. Ein Problem sieht er aber in der Umsetzung einer Führerscheinpflicht und dessen Kontrolle. Um die Akzeptanz zu erhöhen, schlägt er einen Nachlass auf die Hundesteuer bei bestandener Prüfung vor. Einig sind sich Dießner und Ratcliff in der Einschätzung der Rassenliste: „Die muss weg. Jeder Hund kann gefährlich werden, wenn er falsch behandelt wird. Das Problem ist immer am anderen Ende der Leine.“

Das Streichen der Liste ist auch Wasser auf die Mühlen von Gisela Bünz, Vorsitzende des Tierschutzvereins. „Die pauschale Beurteilung einer Rasse ist nicht korrekt, das ist längst überfällig. Es gibt auch Exemplare gefährlicher Rassen, die sanftmütig und verschmust sind. Auch andere Hunde, die als gefährlich eingestuft wurden, müssen differenziert beurteilt werden. Manchmal hat ein Hund einfach nur geschnappt, weil sich ein Mensch falsch verhalten hat“, sagt sie. Den Hundeführerschein generell für jeden Halter begrüßt Gisela Bünz ausdrücklich. „In einigen Kreisen gehen Hunde von Hand zu Hand. Das würde ausgebremst werden bei Leuten, die erst danach feststellen, dass sie keine Lust und kein Geld für ein Tier haben“, sagt sie. Jeder, auch ältere Hundehalter, sollten den Nachweis ablegen, wenn sie sich ein Tier anschafften. Allerdings müsse geklärt werden, ob Hundehalter auch nachträglich eine Prüfung machen sollten: „Wenn jemand seinen Hund schon zehn Jahre hat und jetzt 73 Jahre alt ist, sollte es Übergangslösungen geben.“

Angesichts steigender Zahlen von ganzen Tierherden in Wohnungen und Vernachlässigung wird nach Ansicht von Amtstierärztin Dr. Katja Busch der Tierschutz durch eine Gesetzesänderung verbessert. „Die Zahl der Menschen, die sich ein Tier anschaffen, ohne sich Gedanken zu machen, dass es Geld kostet und eine gewisse Disziplin dazu gehört, hat in den vergangenen 20 Jahren zugenommen“, sagt sie. Das betreffe auch Katzen und Kleintiere. Die falsche Haltung von Tieren sei ein gesellschaftliches Problem: „Erst wollen sie alles haben, dann müssen sie die Konsequenzen begreifen.“ Doch die Änderung des Tierschutzrechts, der Rasseliste und die Pflicht zum Sachkundenachweis sollte mit Bedacht angefasst werden. „Die Halter, die sich einen Kopf machen, sich Wissen aneignen und sich kümmern, sollten nicht benachteiligt werden“, meint die Tierärztin. Das gelte auch für finanziell schwach gestellte Halter.

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erstellt am 22.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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