Neumünster : Das Portemonnaie wird digital

Kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone ist einfach und sicher. Viele Terminals im Handel beherrschen die Technik.
1 von 3
Kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone ist einfach und sicher. Viele Terminals im Handel beherrschen die Technik.

Die Sparkassen haben gestern ihre Bezahl-App freigeschaltet. VR Banken folgen mit ihrer virtuellen Girocard im August.

von
31. Juli 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | „Bargeld lacht“, heißt es im Volksmund. Die Deutschen gelten beim Bezahlen als digitale Muffel. Doch das könnte sich ändern. Gestern haben die Sparkassen nahezu bundesweit ihre neue App „Digitales Bezahlen“ freigeschaltet.

Auch die Kunden der Sparkasse Südholstein können ab sofort ihre Einkäufe im Einzelhandel einfach und sicher mit dem Smartphone bezahlen. Die neue App verwandelt Smartphones mit dem Betriebssystem Android in eine digitale Geldbörse. Die Geräte müssen dafür NFC-fähig sein. Das Kürzel steht für Near Field Communication, das ist die kontaktfreie Datenübermittlung über kurze Distanz. Der Service funktioniert überall, wo kontaktlose Kartenzahlungen möglich sind – und das weltweit.

Wer das Verfahren nutzen möchte, muss sich bei Google Play die kostenlose App herunterladen und die Girocard oder auch die Kreditkarte der Sparkasse hinterlegen. Im Handel kann man dann zahlen, indem man das Smartphone mit aktiviertem Display an das Kartenterminal der Kasse hält. Bei Zahlungen bis 25 Euro ist nicht einmal die Eingabe einer PIN nötig. „Die Menschen sollen den Zahlungsverkehr nicht als Hürde empfinden“, sagt Sparkassen-Vorstand Andreas Fohrmann. Die Sparkassen-App sei einfach zu bedienen und erfülle die hohen Sicherheitsstandards für Kartenzahlungen in Sachen Datenschutz, Transaktionssicherheit und Missbrauchsschutz. Kleiner Wermutstropfen: Mit iPhone -Geräten funktioniert das nicht, da Apple die nötige Schnittstelle noch nicht freigegeben hat.

Die Genossenschaftsbanken wollen im August mit einem vergleichbaren Angebot nachziehen. Diese „virtuelle Girocard“ wird ebenfalls zunächst nur auf Android-Smartphones möglich sein. „Kontaktloses Zahlen mit der EC-Karte ist schon länger möglich, bei Kleinbeträgen auch ohne PIN“, sagt Dirk Dejewski, Vorstand bei der VR Bank Neumünster.

Dort erlaubt die „VR Banking App“ seit Ende 2017 auch in Neumünster Bankgeschäfte wie Überweisungen über ein Endgerät – „und zwar sicher“, so Dejewski. Mit „Kwitt“ gibt es ein Handy-zu-Handy-Zahlverfahren, das seit Februar auch zwischen Kunden der VR Banken und der Sparkassen möglich ist.

Ob sich das Smartphone mit den neuen technischen Möglichkeiten zu einem Zahlungsmittel für die breite Masse entwickelt, muss sich zeigen. Der Handel jedenfalls ist vorbereitet. „In den vergangenen Jahren haben sich viele Geschäfte mit diesen Bezahl-Terminals ausgerüstet“, sagt Mareike Petersen, die Geschäftsführerin des Handelsverbands Nord in Kiel.

Genutzt werde es von den Kunden aber noch nicht so oft. „Deutschland liegt hier im Vergleich mit den skandinavischen Ländern weit hinten. Aber es wird mehr“, so Mareike Petersen. Der Tourismus und die Smartphone-Generation würden die Entwicklung vorantreiben.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen