Museum Tuch + Technik : Das Pepita-Virus hat die Stadt erreicht

Handweberin Gerhild Schröder webt bereits seit Monaten Exponate für die Ausstellung. Während der Vernissage praktizierte sie die alte Handwerkskunst an einem der Webrahmen.  Fotos: Wittorf
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Handweberin Gerhild Schröder webt bereits seit Monaten Exponate für die Ausstellung. Während der Vernissage praktizierte sie die alte Handwerkskunst an einem der Webrahmen. Fotos: Wittorf

80 Neuinfizierte kamen zur Ausstellungseröffnung ins Museum Tuch + Technik. Die Exponate sind noch bis Oktober zu sehen.

shz.de von
16. Juni 2014, 07:30 Uhr

Neumünster | Nach Bramsche nun also der Norden. Das Pepita-Virus hat Neumünster erreicht. Vor rund 80 Besuchern eröffnete Museumschefin Astrid Frevert jetzt die Sonderausstellung „Das Pepita-Virus. Herstellung und Verbreitung eines Stoffmusters“ im Museum Tuch + Technik.

„Nachdem ich die Ausstellung 2012 im niedersächsischen Bramsche gesehen hatte, flimmerte das Muster bereits auf der Rückfahrt vor meinem inneren Auge. Mir war sofort klar: Ich war infiziert“, beschrieb die Leiterin des Museums ihre Idee, die Ausstellung in Neumünster zu zeigen. Nun, zwei Jahre später hat sie es gemeinsam mit ihrem Team und der Unterstützung des Fördervereins geschafft, die ebenso informative wie unterhaltsame Sonderausstellung von Niedersachsen nach Schleswig-Holstein zu holen und sogar noch um einige lokale Aspekte zu ergänzen.

Ausgehend von der Renaissance, die das Pepita-Stoffmuster derzeit erlebt, haben sich die beiden Bramscher Kuratorinnen Ellen Harlizius-Klück und Anette Hülsenbeck auf Spurensuche gemacht und erstaunliche Exponate zusammen getragen. Da gibt es beispielsweise den „Mantel von Gerum“, ein auf die Zeit um 200 v. Chr. datiertes Kleidungsstück im Hahnentritt-Muster, den original Pepitahut von Konrad Adenauer oder den „Totenkopf“-Anzug der beiden international bekannten Künstler Barbara Esser und Wolfgang Horn. Sie alle sind in der Ausstellung zu sehen.

Astrid Frevert und ihr Team haben diesen außergewöhnlichen Stücken Exponate mit Lokalkolorit zur Seite gestellt: Drei Neumünsteraner Handwebrahmen in Aktion, historische Musterbücher aus den ehemaligen Tuchfabriken, Alltagsprodukte wie Gummistiefel oder Smartphone-Hüllen in Pepita-Optik – allesamt erstanden in örtlichen Geschäften sowie Leihgaben von Privatpersonen aus der Region.

„Als ich den Aufruf „Pepita-Muster gesucht“ in der Zeitung las, habe ich sofort mein Kostüm rausgeholt und dem Museum gespendet“, berichtete Gertrud Grube während der Ausstellungseröffnung. „Vor über 40 Jahren habe ich es bekommen, und nun hängt es hier im Museum“, freute sich die 85-jährige Bad Bramstedterin. Auch Urte Grode erinnerte sich mit einem Schmunzeln an ihr erstes Pepita-Kleid. „Ich denke aber weniger an das Muster, vielmehr spüre ich beim Gedanken an des Wollkleid sofort wieder das Kratzen auf der Haut.“

Die Sonderausstellung „Das Pepita-Virus. Herstellung und Verbreitung eines Stoffmusters“ läuft noch bis zum 5. Oktober. Begleitend zur Ausstellung bietet das Museum einen Katalog und ein vielseitiges Rahmenprogramm an. In Kooperation mit der VHS findet im September ein zweitägiger Handwebkursus statt, an vier Terminen macht die Museumspädagogik eine einstündige Führung durch die Sonderausstellung. Nähere Informationen erteilt Dorothe Jacobs unter Tel. 559 58-0 oder unter jacobs@tuch-und-technik.de.


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