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Sonnenfinsternis : „Das Leben schien still zu stehen“

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zwei Neumünsteraner flogen an die Westküste der USA, um einmal eine totale Sonnenfinsternis zu erleben und im Schatten des Mondes zu stehen

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erstellt am 23.Aug.2017 | 08:35 Uhr

Neumünster | Mitten am Tag im Dunkeln sein und für etwa zwei Minuten im Schatten des Mondes stehen – das ist nicht nur für Astronomen etwas ganz Besonderes. Am Montag haben sich zwei Neumünsteraner den Traum erfüllt, eine totale Sonnenfinsternis zu erleben. Dafür flogen sie extra in die USA, denn nur in einem relativ schmalen Streifen der Erde war die „Total Eclipse“, die totale Finsternis, zu erleben. „Das war die bisher weiteste Expedition von Neumünsteraner Astronomen“, schrieben Marco Ludwig, Leiter der VHS-Sternwarte, und sein Stellvertreter Stefan Bruns aus den USA an den Courier.

Im Bundesstaat Oregon an der Westküste der USA versammelten sich Astronomen aus aller Welt, denn dort gab es erstmals seit vier Jahrzehnten wieder eine totale Sonnenfinsternis zu sehen. „Da mussten wir einfach hin“, sagte Marco Ludwig (34). Er hatte die Gelegenheit, eine amerikanische Familie zu besuchen, die er in einem Schüleraustausch kennen gelernt hatte. Die sorgten auch für die Unterkunft auf einem Bauernhof mitten in der Finsterniszone in Madras (Solar City). Nur knapp einen Kilometer von der Zentrallinie der Finsternis entfernt konnten die beiden Neumünsteraner zusammen mit amerikanischen Freunden 122 Sekunden Dunkelheit genießen und beeindruckende Bilder schießen.

In Madras, einer Kleinstadt mit rund 6000 Einwohnern, hatten sich am Montag rund 100 000 Eclipse-Fans versammelt, darunter auch zahlreiche Deutsche. Fernab der Massen konnten Marco Ludwig und Stefan Bruns zusammen mit dem amerikanischen Hobby-Astronomen Jeff Grabhorn das Naturschauspiel bei bestem Wetter verfolgen.

„Als der Schatten des Mondes uns um 10.19 Uhr erreichte, waren die begeisterten Ausrufe der vielen tausend Besucher zu hören. Während der Totalität scheint das Leben für kurze Zeit still zu stehen“, schrieb Ludwig. Der Anblick der verfinsterten Sonne verschlug ihm buchstäblich die Sprache. „Das Gefühl, im Schatten des Mondes zu stehen und all diese Farben und Sterne am Himmel zu stehen, ist unbeschreiblich. Ein unglaublich emotionaler Moment. So etwas muss man einmal im Leben gesehen haben!“, meint Ludwig.

Der Sternwartenleiter hatte schon 1999 die totale Sonnenfinsternis in Deutschland gesehen. Im entscheidenden Moment hatten jedoch Wolken die freie Sicht zum Himmel behindert. Diesmal hat alles geklappt. Stefan Bruns (52) war erstmals bei einer totalen Sonnenfinsternis dabei. „So schön, dass ich das erleben durfte!“, sagte er beeindruckt.

Die Besonderheit einer totalen Sonnenfinsternis, die im Gegensatz zur parziellen Finsternis nur sehr selten stattfindet: Der Mond verdeckt die Sonne für wenige Minuten komplett; die äußeren Atmosphärenschichten der Sonne, die so genannte Korona, wird sichtbar. Mitten am Tage kann man für kurze Zeit sogar Sterne sehen. Die Zone der totalen Verfinsterung auf der Erde ist immer nur sehr klein, oft nur rund 100 Kilometer breit. Um im Schatten des Mondes zu stehen, muss man also auf der Erde zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

In Deutschland wird es erst wieder im Jahr 2081 eine totale Sonnenfinsternis geben. Wer nicht so lange warten möchte, kann seinen Urlaub entsprechend planen: „Die nächste totale Sonnenfinsternis findet am 2. Juli 2019 in Südamerika statt“, sagt Marco Ludwig.

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