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Luther-Jubiläumsjahr : Das Leben Luthers in deftiger Sprache

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Erste gemeinsame Probe dreier Chöre für die Luther-Oper / Herausforderungen sind die Wortwahl und anspruchsvolle Rhythmik

shz.de von
erstellt am 04.Jul.2017 | 13:00 Uhr

Neumünster | „In Stürmen, die uns rau umwittern, weis meinem Kahn den sanften Port, lass’ meinen Kahn nicht kentern, schwanken, zittern, mein Anker sei Dein festes Wort...“ – „haaalt“: Norbert Klose hebt die Hand und stoppt den etwa 80-köpfigen Mammutchor im Anschargemeindehaus. „Nicht so saft- und kraftlos, da will ich Euch hören, gebt Gas“, spornt er die Sänger an. Der Dirigent des Chores Cantica und Kantor der Kirchengemeinde Hohenwestedt singt auch in hohen Tonlagen mit, scherzt mit dem Sopran, der seinen Einsatz verpatzt („das ist nicht Euer Ernst“), und wechselt sich mit Sven Thomas Haase, dem Kantor und Organisten der Anschargemeinde ab. Rund 100 Sänger des Anscharchores, von Cantica und der Kantorei Hohenwestedt werden im September die Luther-Oper aufführen. Jetzt fand die erste gemeinsame Probe statt.

Mit Händeklatschen, viel Freude am Singen und Temperament wird an jedem Einsatz gefeilt, das Tempo und die Rhythmuswechsel punktgenau gesetzt: Seit Anfang des Jahres laufen die Einzelproben, jetzt gilt es, ein großes Ganzes zu schaffen. Mitwirkende sind neben den Chören auch ein Orchester, die Solisten Burkhard von Puttkamer (Bariton, Luther), Barbara Kind (Sopran, Katharina von Bora), Reinaldo Dopp (Tenor, Tetzel) sowie Sönke Tams Freier (Bass, Staupitz). Mit wirkt auch ein Kinderchor der Klaus-Groth-Schule unter Leitung von Clemens Cypionka. Die Solisten agieren in historischen Gewändern und inszenieren mit den Chören und dem Orchester das Leben Luthers. 1985 wurde die Oper des Heidelbergers Dietrich Lohff uraufgeführt; die Texte schrieb Autor Peter Schütze.

„Die Herausforderung ist, dass diese Luther-Oper moderne Musik ist, die hier im weiteren Umkreis erstmals aufgeführt wird. Sie ist inhaltlich speziell, denn es wird extra für das Luther-Jubiläum einstudiert. Außerdem ist dieses Stück mehr als nur Singen, denn es ist ein szenisches Oratorium. Der Chor ist in Interaktion mit den Solisten, das muss harmonisch ablaufen“, sagen die Dirigenten. „Teilweise ist das rhythmisch sehr herausfordernd aufgrund schlagartiger Wechsel, das ist zu vergleichen mit Carmina Burana. Das Stück muss komplett gemeinsam erarbeitet werden“, betont Klose.

Von den Sängern werde außerdem eine hohe Emotionalität verlangt: „Die haben sonst mit geistlichen Texten zu tun. Hier wurde aber der Mentalität des Mittelalters nachgespürt, die Wortwahl ist stellenweise derb.“ Das sehen auch die Sänger so: „Das ist anspruchsvoll, anders als ein normales Oratorium. Die Sprache ist gewöhnungsbedürftig, es ist beispielsweise die Rede von fetten Schweinen“, nennt Renate Loebert (78) von Cantica ein harmloses Beispiel. Denn Luther, der die ehemalige Nonne Katharina von Bora ehelicht, wird auch als „Hurenbock“ und noch kräftiger beschimpft. Die musikalische Form interessiert Gabriele Vach (63, Cantica): „Es ist sehr spannend, das als Oper zu singen mit Solisten und einem Sprecher, das macht das Ganze lebendig.“ Damit meint sie einen Promi – den Kabarettisten Hans Scheibner. „Bevor er zugesagt hat, fragte er kritisch nach, ob Luther nur gelobhudelt wird oder ob seine Bauernfeindlichkeit und sein Antisemitismus auch zur Sprache kommen“, erinnert sich Klose. Scheibner schlüpft in diverse Sprechrollen wie König Friedrich, Papst Leo X., Luthers Vater und Münzer, den Gegenspieler Luthers.

Aufgeführt wird die Luther-Oper am Sonnabend, 9. September, um 19 Uhr in der Hohenwestedter Peter-Pauls-Kirche und am Sonntag, 10. September, um 19 Uhr in der Anscharkirche. Der Vorverkauf für die Aufführung in der Anscharkirche startet am 10. Juli. Karten (10, 14 und 18 Euro/ Schüler und Studenten je drei Euro weniger, Kinder bis 12 Jahre freier Eintritt) gibt es beim Konzertbüro Auch & Kneidl, Touristpavillon, Tel. 4 40 64/-65.

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