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Zeitungsprojekt : Das Leben in den Griff kriegen: Der „Brücken-Bote“ hilft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ann-Kathrin Schaar schreibt seit mehr als zehn Jahren für die Zeitschrift der Brücke / Betroffene berichten von ihren Erfahrungen / Gleichberechtigung als wichtiges Anliegen

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2014 | 07:15 Uhr

Schreiben ist für Ann-Kathrin Schaar (43) mehr als ein Hobby. Seit über zehn Jahren ist sie festes Mitglied des Redaktionsteams des „Brücken-Boten“. Die Zeitschrift (Auflage: 250 Stück) existiert seit 2002 und wird von Menschen rund um die Brücke Neumünster gestaltet.

Ann-Kathrin Schaar schreibt regelmäßig Artikel. „Ich lasse mich von Erlebnissen inspirieren, verarbeite aber auch so meinen Alltag“, sagt die Neumünsteranerin, die in der Innenstadt lebt und seit über zehn Jahren Medikamente gegen psychische Störungen nimmt. Zur Brücke, bei der Menschen mit psychischen Erkrankungen betreut werden, kam sie durch eine „labile Phase“ mit Ängsten und Schlaflosigkeit. „Die Schulzeit war für mich wie ein Gefängnis, ich kam nicht zurecht“, sagt sie. Die gebürtige Hamburgerin studierte Soziologie, arbeitete in der Altenpflege, in einem Verlag, lernte vieles und ist Hobbymalerin. Ihre Themen für Artikel: Zwischenmenschliches, Alltagsbeobachtungen, Philosophisches, spontane Gedanken. Beispiele: „Was ist ein Gewissen?“ oder „Facebook – was nun?“ Auch ihre eigene Lebensgeschichte spart sie nicht aus: „Öfter mal reduzieren“ handelt vom Medikamentenabsetzen und dem Ziel, trotz Krankheit mit Hobbys, Lebensfreude, Sport oder auch Religion das Leben in den Griff zu kriegen. Sie schreibt: „Gott will bestimmt nicht, dass wir unser Leben hinter einem grauen Schleier verschlafen.“

Im „Brücken-Boten“ schreiben Psychiatrie-Erfahrene und Fachleute. Es gibt Informatives über Seminare, Aktionstage von Selbsthilfegruppen oder Sport-AGs, Gedichte, Rezepte, Bücherrezensionen, Kulturelles und Interviews. „Wir wollen Betroffene ermutigen, offen mit ihrer Krankheit umzugehen, Mut machen, ein Stück Normalität schaffen“, sagt Sigismund Oheim (58), der die Redaktion mit rund 20 Mitarbeitern leitet.

Der Brücken-Bote kostet einen Euro und finanziert sich auch durch Werbung. „Unsere Themen finden wir selbst. Wir sind auch offen für Artikel von Menschen außerhalb der Brücke“, sagt er.

Ihr wichtigstes Anliegen: die Gleichberechtigung von Behinderten und Gesunden. „Es gibt immer noch Diskriminierung“, sagt Oheim, der drogen- und spielsüchtig war. Jetzt berät er Betroffene, moderiert Selbsthilfegruppen und hält Vorträge.

Einmal interviewte Ann-Kathrin Schaar einen Polizeisprecher über psychische Krankheiten. Ihre Frage: Wie soll sich die „normale“ Gesellschaft gegenüber psychisch kranken Menschen verhalten? Seine Antwort war so, wie sie und ihre Mitstreiter es sich wünschen: „Ganz normal!“

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