Das Leben im Jugendarrest

Auch in der Justizvollzugsanstalt in Neumünster leben junge Straftäter. Wer ein besonders schweres Delikt begangen hat, muss seine Haftzeit hier absitzen. Jugendarrest, eine kürzere Form der Strafe, wird in Moltsfelde verbüßt.
Auch in der Justizvollzugsanstalt in Neumünster leben junge Straftäter. Wer ein besonders schweres Delikt begangen hat, muss seine Haftzeit hier absitzen. Jugendarrest, eine kürzere Form der Strafe, wird in Moltsfelde verbüßt.

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28. Dezember 2010, 07:40 Uhr

Neumünster | Jugendkriminalität, die Ursachen und Folgen - zu diesem Thema haben die Schüler der 8c der Alexander-von-Humboldt-Schule während ihrer Teilnahme an dem Projekt "Zeitung in der Schule" (Zisch) recherchiert.

Die Jugendarrestanstalt Moltsfelde bei Neumünster besteht seit 2002. 2008 wurde sie um 26 Arrestplätze erweitert. Zurzeit hat Moltsfelde 23 Mitarbeiter. Die Verwaltungsleiterin der Jugendarrestanstalt Moltsfelde, Christa Laßmann, hat zusammen mit neun inhaftierten Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren Fragen der Schüler beantwortet.

Warum sind die meisten Jugendlichen in der Jugendarrestanstalt?

Laßmann: "Die meisten Delikte sind Körperverletzung und Diebstahl."

Jugendliche: "Wir haben gegen das Gesetz verstoßen."

Verspüren die Straftäter Reue?

Laßmann: "Die meisten Jugendlichen sagen, dass ihnen ihre Straftaten und die Opfer Leid tun. In der täglichen Arbeit mit den Jugendlichen wird dieses Thema natürlich von den Mitarbeitern besonders bearbeitet. Die Jugendlichen schreiben zum Beispiel einen Aufsatz zu dem Thema oder sie schreiben einen Entschuldigungsbrief an ihre Opfer. Einige wenige Inhaftierte sehen sich aber auch als zu Unrecht verurteilt oder stellen ihre Tat als Notwehraktion dar, dann ist es schwer, sie zur Einsicht zu bringen."

Jugendliche: "Die meisten von uns schon."

Haben die meisten Jugendlichen Familie oder Kinder?

Laßmann: "Die meisten haben Angehörige. Viele leben in Patchwork-Familien. Nur sehr wenige Inhaftierte haben selbst Kinder."

Jugendliche: "Kinder haben wir nicht, zwei Mitglieder sind Halbwaisen, der Rest hat eine richtige Familie."

Wie ist der Umgang mit den Mitarbeitern?

Laßmann: "Die Mitarbeiter sind verständnisvoll, aber sehr konsequent. Es gibt Regeln, an die sich alle halten müssen. Morgens selbstständig aufzustehen, das Zimmer aufzuräumen und gewaschen zum Frühstück zu erscheinen, gehören dazu. In der Gruppenarbeit beschließen die Gruppenmitglieder noch eigene Regeln, wie zum Beispiel den anderen ausreden zu lassen oder keinen Slang zu benutzen. Die Gruppe wacht dann selber über die Einhaltung."

Jugendliche: "Es ist ein sehr freundliches, höfliches und lockeres Verhältnis."

Leiden manche der Jugendlichen an Depressionen?

Laßmann: "Natürlich ist jeder Freiheitsentzug belastend und einigen Jugendlichen wird erst im Arrest klar, was sie mit ihrer Tat angerichtet haben. Deshalb reagieren die Mitarbeiter sehr sensibel, wenn jemand bedrückt erscheint. Vom ersten Tag an werden den Jugendlichen Gespräche angeboten, die meisten nehmen dieses Angebot auch an."

Jugendliche: "Eingeschränkt. Abends im Haftraum sind wir schon nachdenklich. Wir überlegen dann, was unsere Freunde und Bekannten und unsere Familie gerade machen."

Wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute.

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