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Neue Berechnungen : Das Land streicht weiter kräftig Lehrerstellen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Gemeinschaftsschulen sollen auf sechseinhalb Planstellen verzichten. Kritik kommt von den Lehrern und aus der Elternschaft.

Neumünster | Die Einsparungen des Landes gehen auch an Neumünsters Gemeinschaftsschulen (GS) nicht vorbei. Insgesamt werden die sechs Schulen in der Stadt im kommenden Schuljahr rund sechseinhalb Planstellen verlieren – und das auch dort, wo die Schülerzahlen ab Sommer noch steigen oder nur geringfügig abnehmen (siehe Zahlen am Ende des Textes). Das zeigen die neusten Zahlen des Schulamtes und des Bildungsministeriums, das für die beiden Gesamtschulen mit Oberstufe (Brachenfeld und Faldera) zuständig ist. Allerdings betonten Patricia Zimnik aus der Pressestelle des Ministeriums und Schulrätin Liske Salden, dass das letzte Wort über die Zuweisungen noch nicht gesprochen sei, da sich durch Umschulungen oder Umzüge die Schülerzahlen und somit der Bedarf noch verändern könnten. Schulleiter und Elternvertreter warnen dennoch bereits vor den Auswirkungen der Reduzierung.

„Der Stellenabbau hat erhebliche negative Auswirkungen, zumal die Aufgabenfülle steigt“, merkte Ulf Evers, Schulelternbeiratsvorsitzender der GS Brachenfeld an. Schulleiterin Silke Rohwer hofft zurzeit noch, dass sie nicht zweieinhalb Stellen abgeben muss. „Wir haben mehr Schüler als geplant, da wird nachjustiert“, meinte sie. Fehlenden Kapazitäten muss sie „durch Reduzierungen im Kann-Angebot begegnen. Man muss schon fragen: Was ist uns im Land die Bildung wert?“, kritisierte sie.

Ihre Kollegin Bodil Krey, stellvertretende Schulleiterin an der GS Faldera, widersprach den Angaben aus dem Ministerium, dass an ihrer Schule lediglich 0,49 Planstellen wegfallen würden. „Wir bekommen zusätzlich zu den vom Land prognostizierten Schülern noch rund zwei volle Klassen aus anderen Schulen. Damit fehlen hier zirka zweieinhalb Planstellen. Die verminderte Zuweisung wird Auswirkungen auf den Unterricht haben. Wir werden Stunden und Teile des Ganztagsangebots streichen müssen“, so die Pädagogin.

Olaf Hubert, Konrektor der Stein-Schule, befürchtet ebenfalls, dass er „das Defizit von einer halben Stelle über Umstrukturierungen beim Stundenplan regeln“ muss, zumal es „immer wieder dringend notwendig ist, eine Doppelbesetzung von Lehrkräften anzubieten“, so Hubert.

„Alle Schulen brauchen mehr Kapazitäten, um die Aufgaben zu erfüllen“, sagte Wolfgang Koperski, Schulleiter der Wilhelm-Tanck-Schule. „Viele Schüler haben heute mehr Unterstützungsbedarf als noch vor zehn Jahren. Aber die Kinder, die jetzt hier sind, können nun mal nicht warten, dass sich die Dinge bessern. Wir müssen als Schule jetzt irgendwie mit den Gegebenheiten klarkommen“, meinte Koperski, der nach erster Prognose gut zwei Stellen ausplanen muss.

Für Gunhild Cordts (Grund- und Gemeinschaftsschule Einfeld) sind die Kürzungen im weiterführenden Teil der Schule längst spürbar. Um Lücken bei den Älteren zu schließen, greift sie immer wieder auf das Kontingent der Grundschullehrer zurück, die fast alle auch Hauptschullehrer sind. „Es ist schon länger eine Verwaltung des Mangels. Eine längere Erkrankung im Kollegium wird schnell zur Katastrophe“, erklärte sie.

Die Hans-Böckler-Schule war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

 

Die Zahlen im Überblick*:

>Gemeinschaftsschule Faldera (mit Oberstufe): 2013/14: 50,43 Planstellen, 765 Schüler. 2014/15: 49,94 Stellen, 814 Schüler.

>GS Brachenfeld (mit Oberstufe): 2013/14: 83,12 Stellen, 1255 Schüler. 2014/15: 80,68 Stellen, 1258 Schüler.

>Hans-Böckler-Schule: 2013/14: 21,48 Stellen, 404 Schüler. 2014/15: 22,37 Stellen, 429 Schüler.

>Freiherr-vom-Stein-Schule: 2013/14: 31,7 Stellen, 601 Schüler. 2014/15: 31,22 Stellen, 608 Schüler.

>Grund- und Gemeinschaftsschule Einfeld: 2013/14: 19,19 Stellen, 380 Schüler. 2014/15: 17,4 Stellen, 360 Schüler.

>Wilhelm-Tanck-Schule (ab Sommer Gemeinschaftsschule): 2013/14: 22,26 Stellen, 440 Schüler. 2014/15: 20,19 Stellen, 420 Schüler.

(*vorläufige Nettozahlen ohne ggf. Grundschulanteil oder Sonderzuweisungen.)

 

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erstellt am 14.Mai.2014 | 06:00 Uhr

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