Boostedt : Das „Kröten-Taxi“ ist auf Tour

Marcus Domanowski (von links), Rainer Koch und Michael Neumann samt Hündin Mascha hocken vor dem Krötenzaun. Der Eimer ist leer, die Amphibien haben die Tierfreunde bereits nachts sicher auf die andere Seite der Straße gebracht.
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Marcus Domanowski (von links), Rainer Koch und Michael Neumann samt Hündin Mascha hocken vor dem Krötenzaun. Der Eimer ist leer, die Amphibien haben die Tierfreunde bereits nachts sicher auf die andere Seite der Straße gebracht.

Abends, nachts und am frühen Morgen helfen Boostedter den Amphibien über die Straße.

shz.de von
22. März 2017, 11:00 Uhr

Boostedt | Niedlich sind sie auf den ersten Blick nicht, zum Streicheln eignen sie sich auch nicht, und in Märchen sind sie oft ungeliebte Unheilsbringer. Trotzdem finden sich auch in diesem Frühjahr wieder uneigennützige Menschen, die den warzigen Kaltblütern das Leben retten: Es geht um Kröten. Der Boostedter Michael Neumann (67) und ein harter Kern von vier anderen Boostedter Tierfreunden hat in den vergangenen zehn Tagen schon 434 Kröten das Leben gerettet, allein vorgestern waren es 259.

In diesem Jahr schützt ein 150 Meter langer Zaun am Waldweg zwischen Vossbarg und Steenknüll die Tiere vor dem sicheren Tod durch Überfahren. Aufgrund des Berichts im Courier im vergangenen Jahr hat sich der Nabu (Naturschutzbund Deutschland) bei Michael Neumann gemeldet und vor Kurzem den Krötenzaun zusammen mit den Boostedter Helfern aufgebaut. „Der Zaun ist eine enorme Hilfe. Seitdem sind auf diesem Stück keine Amphibien überfahren worden. Sonst hat man das Elend ja beim Spazierengehen gesehen, pro Nacht sind sicher 25 Tiere platt gefahren worden“, sagte der Hundebesitzer Neumann.

Wenn die Amphibien aus ihrer Winterstarre im Staatsforst Neumünster erwachen, wandern sie zu ihren Laichplätzen, um die Eier in langen Laichschnüren abzulegen. Weil der etwa 30 Zentimeter hohe Zaun den Weg versperrt, wandern sie an ihm entlang und plumpsen in einen der 15 Eimer, die längs des Zauns in die Erde eingegraben sind. „Wir tragen die Eimer über die Straße und bringen die Tiere zu ihren Zielen, den Teichen auf den Nachbargrundstücken, das ist mit den Besitzern abgesprochen“, erklärte der ehemalige Autoverkäufer Michael Neumann.

In mehreren Schichten spielen die Helfer „Kröten-Taxi“, wie Michael Neumann berichtet: „Gegen 19, 21 und 23 Uhr schauen wir in die Eimer. Manchmal gucke ich auch um halb zwei nachts noch einmal nach, wenn ich mit meiner Hündin Mascha Gassi gehe.“ Die Kröten, Teichfrösche und Molche sind nämlich nachtaktiv und bevorzugen warmes, nasses Wetter zum Wandern.

„Ich mache meine Runde morgens gegen fünf Uhr vor der Arbeit“, meinte Helfer Marcus Domanowski, der das mit der Gassirunde verbindet. Weil sich in die Eimer auch andere Tiere verirren können, ragt aus jedem ein Stock heraus, an dem zum Beispiel Mäuse schnell wieder ins Freie gelangen können. Noch etwa einen Monat wandern die Kröten, so lange wollen die Helfer ihre Arbeit fortsetzen.  





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