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Analyse : Das ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Egal, wie der Bürgerentscheid zum Großflecken ausgeht: Für Autofahrer wird alles noch viel schlimmer.

von
erstellt am 19.Apr.2014 | 06:45 Uhr

Neumünster | Die Ratssitzung am Dienstag hat noch einmal das ganze Dilemma der künftigen Verkehrsführung rund um den Großflecken aufgezeigt. Niemand sollte sich etwas vormachen: Für Autofahrer wird alles noch viel schlimmer, egal wie der Bürgerentscheid am 25. Mai ausgeht.

Gehen wir einmal davon aus, dass folgende Kernthese der Kaufleute und ihrer Verbände stimmt: Der Handel braucht auf dem Großflecken fahrende und, ja, auch durchfahrende Autos. Wer dort nicht fahren dürfe, verliere die Geschäfte langsam aus dem Blick. Der Verkehrsversuch 2013 habe ihnen schließlich massive Umsatzeinbußen beschert, so die Einzelhändler. Wenn diese Kernthese also zutrifft, dann kommen schwere Zeiten auf sie zu.

Denn die zur Wahl stehenden Varianten beim Bürgerentscheid sind aus Sicht des Autofahrers so ähnlich wie Pest oder Cholera. Entweder es kommt die Sperrung für den Durchgangsverkehr wie 2013 (nur rund um die Uhr) – mit all ihren verheerenden Nebenwirkungen (Sperrungen Parkstraße & Co, mehr Staus auf dem Ring, Knöllchengewitter). Oder der Großflecken bleibt offen, wird dann aber nur extrem schwer erreichbar sein. „Pförtnerampeln“ werden nämlich ihre hässliche Fratze zeigen und die Zufahrt auf den Großflecken begrenzen. Das bedeutet: „Die Rückstaus, die bislang auf dem Großflecken auftreten, werden auf die Altonaer Straße und den Kuhberg verlagert“, sagte OB Dr. Olaf Tauras in der Ratsversammlung. Das dürfte sogar noch untertrieben sein, denn auch Plöner und Wittorfer Straße sowie der Haart werden betroffen sein. Ob aus der Gegenrichtung der Kuhberg als Aufstellspur reicht oder der Stau bis in die Rendsburger Straße reicht – das ist noch längst nicht ausgemacht. Das kann übrigens auch für das ECE-Center nicht gut sein.

Wer sich die beiden Varianten mit gesundem Menschenverstand anschaut, stellt sich automatisch die Frage: Warum machen wir das? Warum lassen wir es nicht, wie es ist? Der Verkehr sucht sich schließlich immer seinen Weg.

An dieser Stelle der Diskussion wird häufig auf die Holsten-Galerie verwiesen, aber die ist daran nicht schuld. Der OB hat es im Ratssaal gesagt: „Nein, es ist nicht richtig, dass das Einkaufszentrum nur genehmigungsfähig war, wenn künftig der Durchgangsverkehr auf dem Großflecken reduziert wird.“ Und ECE ist es schnuppe, ob der gesperrt wird oder nicht. Nein, die Stadt hat sich in diese Situation selber hineinmanövriert, denn sie ist gefangen im eigenen „Verkehrskonzept Innenstadt“. Darin werden als Ziele unter anderem genannt: „Entlastung der Innenstadt durch Bündelung des Durchgangsverkehrs auf dem Ring“ und „Verkehrsberuhigung des Großfleckens“. Die Ziele sind verbindlich und müssen umgesetzt werden, weil der Bebauungsplan auf dem Konzept basiert und zusätzlich ein externes Verkehrsgutachten errechnet hat, dass die Kreuzung am Gänsemarkt von Verkehr entlastet werden muss. Wenn die Stadt nichts täte, verstieße sie gegen den eigenen B-Plan und bekäme mächtig Ärger mit dem Land.

Immer noch vorausgesetzt, der Handel braucht wirklich Autos zum Überleben: Die Wurzel des Übels ist das eigene Verkehrskonzept, das die Stadtverwaltung entwickelt und der Planungsausschuss 2011 beschlossen hat. Der Zug zum Bürgerentscheid fährt aber und ist nicht mehr aufzuhalten. Wir werden also dieses oder jenes Chaos erleben, und wenn uns dann auswärtige Besucher fragen, warum wir die Autofahrer so verärgern, müssen wir ihnen ehrlicherweise sagen: „Das ist Absicht. Bei uns haben sich nach Jahrzehnten die Kräfte im Rathaus durchgesetzt, die von einer Fußgängerzone Großflecken träumen.“

Die Ratsversammlung hat das Recht, ihr eigenes Verkehrskonzept zu ändern. Liebe Ratsmitglieder: Merkt Ihr selber, oder?

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