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Holsteinischer Courier

18. August 2017 | 13:00 Uhr

Boostedt : „Das ist harte Kost“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Film in Boostedt erschütterte 80 Zuschauer. Abdulla Mehmud: „Menschen müssen sich kennenlernen“

Boostedt | Ab April sollen in der Boostedter Rantzau-Kaserne Flüchtlinge untergebracht werden. Vor diesem Hintergrund lief am Mittwochabend im Hof Lübbe der Dokumentarfilm „Persona non data“ von der Regisseurin Dorothea Carl. Den Film begleitet haben unter anderem Heide Sanati und Abdulla Mehmud, sie sind zwei der 14 Flüchtlinge, die im Film über ihr Schicksal berichten. „Das soll ein weiterer Beitrag zum Verständnis für die Asylsuchenden sein“, erklärte die Mitorganisatorin des Abends, Birgit Vonderschmitt (SPD). Die Gemeindevertreterin hatte gemeinsam mit den anderen Fraktionen, vertreten durch Stefanie Strohkirch (CDU) und Carmen Eitner (FWB), zur Filmvorführung geladen. Der 80-minütige Film aus dem Jahre 2014 lässt Menschen zu Wort kommen, die ihre Heimat verlassen mussten, um sich oder ihre Kinder vor Giftgas, Krieg und Folter zu schützen.

Heide Sanati ist gebürtige Iranerin und vor 32 Jahren nach Deutschland geflohen. Was sie ertragen hat, erscheint unfassbar: Die gebildete Frau war kommunistisch aktiv und wurde von ihrem Mann verraten. Zwei Jahre wurde sie im Gefängnis gequält und vergewaltigt, bis sie todkrank in einer psychiatrischen Anstalt lebenslang weggesperrt werden sollte. Wenn die imponierende Frau über ihre traumatischen Erlebnisse berichtet, spricht sie offen und tief bewegt.

Die teils jungen Menschen in der Dokumentation berichten über Schlafprobleme, Albträume, das Warten auf eine Arbeitserlaubnis und ihre große Sehnsucht nach den Eltern. „Kein Mensch verlässt seine Heimat freiwillig. Er will sich oder seine Kinder retten“, stellte Heide Sanati fest, die seit 25 Jahren in der Flüchtlingsberatung arbeitet. Als problematisch stellen die Flüchtlinge in der Dokumentation den Status der Duldung dar, in dem keine Arbeit verrichtet werden darf – teilweise über 20 Jahre hinweg. „Dabei wollen wir arbeiten, wir kennen in unseren Heimatländern kein Arbeitsamt“, sagte Heide Sanati.

„Das ist harte Kost“, „Ich bin tief betroffen“, – diese Äußerungen waren unter den 80 Besuchern im Hof Lübbe zu hören. Und es gab Interesse daran, wie man den Asylsuchenden in Boostedt wirklich helfen kann. „Senken Sie nicht den Kopf, wenn Sie den Menschen begegnen. Gehen Sie auf sie zu“, rät die in Hamburg wohnende Mutter dreier Kinder Heide Sanati.

Und Abdulla Mehmud, der in Lübeck Migrationsberatung bietet und kürzlich mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden ist, ergänzte mit Hinblick auf Angst vor Fremden: „Menschen müssen keine Angst voreinander haben, sie müssen sich kennen lernen.“ Drei der Interviewten, die im Film über sich und ihre Flucht berichtet haben, sind mittlerweile abgeschoben worden. 

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