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Holsteinischer Courier

20. August 2017 | 17:55 Uhr

Kulturpreis : Das Haus brachte den Preis

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Urte und Franz Rohwer wurden vom Kultur- und Verschönerungsvereins Bordesholmer Land geehrt. Ausschlaggebend war der Erhalt des Alten Kreishauses, in dem das Ehepaar auch lange kulturelle Veranstaltungen anbot.

Die Kulturpreisträger des Jahres sind Urte (72) und Franz Rohwer (77). Das Ehepaar hat im Jahre 1977 bei einer Versteigerung das unter Denkmalschutz stehende Alte Kreishaus, das ein herausragendes Beispiel des bedeutenden Heimatschutz-Baumeisters Johann Garleff darstellt, gekauft. „Seit 36 Jahren bewohnen sie das Gebäude selbst und haben seitdem das vor 100 Jahren erbaute Gebäude vorbildlich instand gehalten“, sagte Reinhard Koglin, Vorsitzender des Kultur- und Verschönerungsvereins Bordesholmer Land (KVBL), gestern bei der Verleihung der Auszeichnung vor zahlreichen Gästen. Er übergab den Preis passend zur 100-Jahr-Feier des historischen Haues direkt vor Ort.

Die Mitglieder des KVBL würdigten damit unter anderem das Engagement eines Ehepaares, über 26 Jahre bis 2006 in ihrem historischen Haus über 300 Veranstaltungen mit Kabarett, Folklore, Lesungen, Theater, Tanz, Vorträgen und Konzerten anzubieten. Da alle Veranstaltungen weitgehend ausverkauft waren, wurde der Name Bordesholm damit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Den Bordesholmern selbst aber wurde die Bedeutung ihres Ortes bewusster gemacht, hieß es. Vor sieben Jahren verabschiedeten sich Urte und Franz Rohwer aus der Kulturarbeit und sagten damals: „Es ist immer gut, den richtigen Zeitpunkt zu finden.“

Das Paar ist seit 51 Jahren verheiratet, hat vier Kinder und fünf Enkelkinder. Kennengelernt haben sich die Preisträger auf einem Gymnasium in Essen. Urte Rohwer wurde in Königsberg geboren und arbeitete dann später als Sekretärin.

Franz wurde Architekt und ist Urenkel der bekannten Unternehmerfamilie Rohwer, die in Neumünster, Wasbeker Straße, eine Eisengießerei besaß. Beide kamen im November 1970 nach Bordesholm und kauften sich ein kleines Häuschen an der Christuskirche. Sieben Jahre später gehörte ihnen das vor 100 Jahren erbaute Alte Kreishaus.

Aus dem Blickwinkel des Architekten Franz Rohwer bot sich der Saal eigentlich als Atelier an. Doch wie der Zufall es wollte, schritt damals der heutige KVBL-Vorsitzende Reinhard Koglin über die Türschwelle um zu fragen, ob er den Saal für einen Vortrag zum Thema Gesamtschule nutzen könne. Dem folgte wenig später eine NDR-Live-Übertragung aus dem Alten Kreishaus über Land und Leute in der Region. Aus diesem Doppelpack entwickelte sich die kulturelle Erfolgsstory im Bühnensaal des Alten Kreishauses.

Prominenteste Mieter des Ehepaares Rohwer waren übrigens die ehemalige Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) und ihr Mann Udo. Sie bewohnten von 1977 bis 2003 rund 160 Quadratmeter in der ersten Etage und genossen in stillen Stunden den Ausblick auf den Bordesholmer See. Heute sind sie den Preisträgern noch freundschaftlich verbunden, konnten jedoch nicht an der Feier teilnehmen, weil sie sich in den USA aufhalten.

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erstellt am 28.Okt.2013 | 17:00 Uhr

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