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Holsteinischer Courier

19. Oktober 2017 | 00:58 Uhr

Das Flaggschiff soll auf Kurs bleiben

vom

Fußball-Verbandsliga Süd-West: Trainer Thomas Arndt kann beim TuS Nortorf auf einen breiteren Kader als zuletzt zurückgreifen

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erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Nortorf | Der TuS Nortorf zählte in der vergangenen Dekade zweifelsohne zu den Flaggschiffen des runden Leders im Kreisfußballverband Neumünster. Die Ligamannschaft kickt seit 2006 kontinuierlich in der zweithöchsten Landesklasse, die Reserve wird nach drei turbulenten Spielzeiten erstmals wieder eigenständig in der Kreisliga starten, auch die Jugendabteilung arbeitet seit Jahren erfolgreich. Aus der Vogelperspektive betrachtet, scheint die Welt um den Traditionsverein also durchaus in Ordnung. Doch ein Blick hinter die Kulissen nährt den Eindruck, dass dieses Flaggschiff Leck zu schlagen droht und durchaus auf Grund laufen könnte, wenn nicht alle Kräfte gebündelt werden.

Zwar konnten die kurzzeitig bis zu neun vakanten Jugendtrainer- und Betreuerstellen besetzt werden. Einzigartig in der 154-Jährigen Vereinsgeschichte ist aber indes die Tatsache, dass die Nortorfer ihr größtes Pfund in der kommenden Saison nicht mehr ohne fremde Hilfe in den Spielbetrieb schicken können. Die A-Jugend wird nämlich zukünftig als SG Nortorf/Gadeland/Gut Heil in der Verbandsliga Süd an den Start gehen - ein monströses Konstrukt, von dem man vor Jahren nur schlecht geträumt hätte. Lange Rede, kurzer Sinn - einmal mehr wird also die "Erste" des TuS sportlich abliefern müssen, um einen Anreiz für den "eigenen" und dünner werdenden Nachwuchs sowie für Akteure außerhalb der Nortorfer Stadtgrenzen zu schaffen. Keine einfache Aufgabe, spielt der TuS doch in einer Klasse, die nicht nur für den Nortorfer Anhang alles andere als sexy daher kommt. Die Verbandsliga Süd-West kann auch vor Beginn der sechsten Spielzeit seit der Strukturreform ihr Image als graue Maus nicht ablegen. Sicher, die Derbywelt ist dank des Aufstiegs vom MTSV Olympia um eine Attraktion reicher, dennoch sehnt man sich in Nortorf nach den guten alten Zeiten in der Bezirksoberliga Ost, als gegen Büdelsdorf, Osterrönfeld, Eckernförde oder den Rendsburger TSV stets 250 Zuschauer und mehr ins Stadion pilgerten.

Gleichwohl ist auch das Team selbst gefordert, und das hat in den vergangenen Jahren zusehends an Gesicht verloren. So kommt das Saisonziel nicht von ungefähr, dass man neben einem einstelligen Tabellenplatz auch die eigenen Fans speziell bei Heimspielen versöhnen will. Der Kader ist für diese Mission durchaus breiter besetzt als in der abgelaufenen Spielzeit. Daher kann sich Trainer Thomas Arndt sogar den Luxus erlauben, die sieben Neuzugänge aus der eigenen A-Jugend zunächst nur zum erweiterten Kader zu zählen.

Zudem dürfte Nortorf in der Offensive den Weggang von Alleinunterhalter Jan Patrick Siegel zum TSV Gadeland durchaus kompensieren können. Mit Bennit Struve (von Grün-Weiß Todenbüttel) wurde ein ähnlicher Spielertyp verpflichtet, der bereits in Diensten der FT Eider Büdelsdorf stand - wohlgemerkt zu deren besseren Zeiten. Überdies schnürt Florian Viergutz wieder die Stiefel für den TuS. Der 25-Jährige musste zuletzt allerdings ein Jahr berufsbedingt pausieren und schaffte in der Spielzeit zuvor nicht wirklich den Durchbruch beim PSV. Dass Daniel Schlotfeldt reaktiviert wurde und nach einem jahrelangen Bandscheibenleiden nochmals sein Glück auf dem grünen Rasen suchen möchte, ist im Nortorfer Gesamtkontext schon fast tragisch. Der nunmehr 28-Jährige ist nämlich der letzte Verbliebene aus dem so genannten "gol denen 1985er-Jahrgang", der im Jugendfußball unter Trainer Claus-Peter "Ottsche" Brandt so ziemlich alles gewann und der mehr als ein Dutzend Spieler produzierte, denen man noch im Sommer 2004 auf ihrem Weg in den Seniorenfußball eine erfolgreiche Zukunft prognostiziert hatte. Heute müssen es andere richten, zum Beispiel Jan Stolley. Der 21-jährige Innenverteidiger soll die ohnehin schon stabile Nortorfer Defensive um Torwart-Veteran Stefan Fischer verstärken.

Blau-Weiß-Rot hat das Potenzial, dem Abstiegskampf aus dem Weg zu gehen, doch schon der Auftakt wird wegbereitend sein. Der Spielplan sieht einen Nortorfer Aufgalopp am 14. August gegen den Titelanwärter SV Henstedt-Ulzburg und drei Tage später eine Reise zur ebenfalls ambitionierten Kaltenkirchener TS vor. Am 21. August kommt es zum Derby in Einfeld. Keinesfalls sollte der TuS wieder in einen Negativsog geraten, der in der abgelaufenen Saison mit 17 sieglosen Spielen in Folge seinesgleichen suchte. Passiert das nicht, gelingt der Klassenerhalt, wenn auch nicht auf einem einstelligen Platz. Und dann heißt es in Nortorf einmal mehr, das Flaggschiff weiter in der Fahrrinne zu halten. Dass der Wind dabei böig wehen kann, hat unter anderem das frühe Aus im Kreispokal (2:3 gegen den klassentieferen FC Torpedo) bereits bewiesen.

TuS Nortorf 2013/14

Zugänge: Jan Stolley (TSV Aukrug), Bennit Struve (Grün-Weiß Todenbüttel), Niklas von Rüschen (TuS Jevenstedt), Bjarne Maaß (eigene Reserve), Daniel Schlotfeldt, Florian Viergutz (beide reaktiviert), Lars Hülsen, Konstantin Kurczinski, Marvin Huneke, Jannes Schwartz, Thore Grimm, Marc Nitsch, Mattes Lang (alle eigener Nachwuchs).

Abgänge: Jan Patrick Siegel (TSV Gadeland), Florian Engbrecht (TuS Bargstedt), Eike Bruhn (pausiert), Hanno Brüchmann (beruflich nach Hamburg), Tim Wiese (beruflich nach Köln), Dennis Möller (Studium in Flensburg).

Kader: 24 Spieler - Tor: Stefan Fischer (39), Bjarne Maaß (21).

Abwehr: Benjamin Butenschön (25), Robin Sielken (22), Lars Gudjons (31), Tristan Doege (21), Jan Stolley (20), Simon Kortum (23).

Mittelfeld: Stefan Lampe (22), Lars Redmann (32), Tim Reuter (22), Benedikt Jensen (20), Stefan Schlotfeldt (26), Kim Hülsen (21), Niklas von Rüschen (22), Florian Jenert (19), Andree Klotzbücher (28).

Angriff: Daniel Schlotfeldt (28), Bennit Struve (21), Finn-Lasse Döring (23), Ole Redmann (25), Florian Viergutz (25), Tim Bracker (20), Maximilian Philip Arndt (19).

Erweiterter Kader: Lars Hülsen, Konstantin Kurczins ki, Marvin Huneke, Jannes Schwartz, Thore Grimm, Marc Nitsch, Mattes Lang.

Trainer: Thomas Arndt (49) im zweiten Jahr.

Co-Trainer: Thorsten Syben (39) im dritten Jahr.

Betreuer: Horst Kruse.

Zeugwart: Eike Bruhn (28).

Torwarttrainer: Marc Bannach (34).

Ligaobmann: Holger Kortum (50).

Fußballobmann: Peter Beitsch (68).

Vereinsvorsitzender: Ulrich Stengel.

Durchschnittsalter: 24,0 Jahre.

Saisonziel: einstelliger Tabellenplatz.

Titelfavorit: SV Henstedt-Ulzburg.

Trainingsstart: war am 29. Juni.

Vorbereitungsprogramm (Ergebnisse aus Nortorfer Sicht): VfR Eckernförde (H/4:0), TSV Waabs (H/1:5), FC Torpedo 76 (Kreispokal-Achtelfinale, H/2:3), TSV Friedrichsberg (H/0:0), TSV Aukrug (Amtspokal in Aukrug/6:2), Team DoppelPASS (Amtspokal/4:2), TuS Bargstedt (Amtspokal/0:3), VfB Nordmark Flensburg (gestern, bei Redaktionsschluss nicht beendet/H), SpVg Eidertal Molfsee (Sonnabend, 3. August, 16 Uhr/H).

Meisterschaftsstart: SV Henstedt-Ulzburg (Mittwoch, 14. August, 19 Uhr/H).

Courier-Prognose: Nortorf gelingt abermals ein Kraftakt - Platz 12.

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